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Joachim Hunold : Unangepaßter Aufsteiger

  • -Aktualisiert am

Als er vor vierzehn Jahren die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin mit drei Gesellschaftern übernahm, wurde er von vielen in der Branche ein wenig belächelt. Das Lächeln dürfte den meisten mittlerweile vergangen sein.

          Als er vor vierzehn Jahren die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin mit drei Gesellschaftern übernahm, wurde er von vielen in der Branche ein wenig belächelt. Das Lächeln dürfte den meisten mittlerweile vergangen sein. Denn der 56 Jahre alte Geschäftsführer der zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands hat sich in den vergangenen drei Jahren zu einer bestimmenden Größe im deutschen Luftverkehr entwickelt. Nun, so deutet es sich an, wird sein Einfluß noch einmal wachsen. Denn der am Freitag verstorbene Gründer und Inhaber der Fluggesellschaft Germania, Hinrich Bischoff, hat die Geschicke seines Unternehmens in Hunolds Hände gelegt. Der von Bischoff persönlich beauftragte Joachim Hunold will Germania in Kürze durch einen Managementvertrag an Air Berlin binden.

          Wahrscheinlich war der ebenfalls unangepaßte Bischoff der Meinung, nur ein Selfmademan wie Hunold könne sein Geschäft erfolgreich betreiben. Selbstverständlich ist das nicht. Denn Bischoff und Hunold galten lange Jahre als verfeindet, weil sie als Außenseiter in der Branche sich trotz aller Unterschiede doch zu ähnlich waren.

          Das Geschäft von Bischoff, der als eigenwilliger Geist und berechnender Kaufmann ein erfolgreicher Unternehmer war, bestand über viele Jahre im Kaufen und Verleasen von Flugzeugen, die eine Zeitlang unter dem Namen "Germania" einen regulären Linien- und Charterdienst anboten. Der Beamtenshuttle von Köln/Bonn nach Berlin zählte unter anderem dazu.

          Hunold hingegen hat das Fluggeschäft am Boden gelernt. 1978 startet er als Mitarbeiter eines Unternehmens, das Flugzeuge be- und entlud in Düsseldorf. Vier Jahre später wechselte er zur LTU und stieg in der Folgezeit zum Vertriebs- und Marketingleiter auf. Der unverkennbare Rheinländer mit einem ausgeprägten Dickschädel überwarf sich 1990 mit dem damaligen Großaktionär der LTU, der WestLB. Nahezu auf Knall und Fall kehrte er ein Jahr der Branche den Rücken und frönte seiner Leidenschaft dem Golfspiel. Doch allein ein besseres Handycap konnte den Aufsteiger auf Sicht nicht befriedigen: Die Gelegenheit, sich wieder unternehmerisch zu betätigen, ergab sich 1991, als er die marode amerikanische Fluggesellschaft Air Berlin übernahm und in das Chartergeschäft für Reiseveranstalter einstieg. Als Geschäftsführender Gesellschafter mit einem Anteil von 9 Prozent machte er sie über die Jahre zur zweitgrößten Fluggesellschaft Deutschlands nach der Lufthansa, gemessen an der Passagierzahl. Air Berlin erwartet im laufenden Jahr 13,7 Millionen Passagiere (plus 14 Prozent) und einen Umsatz von 1,27 Milliarden Euro (plus 20 Prozent). Im Vorjahr hatte sie mehr als 12 Millionen Gäste befördert, was einer Steigerung von 25,7 Prozent entsprach und beim Umsatz erstmals die Milliardenschwelle überschritten. Investiert hatten Hunold und seine drei weiteren Geldgeber 7,5 Millionen DM. Nach Easyjet und Ryanair ist Air Berlin inzwischen die drittgrößte Billig-Fluggesellschaft Europas. Allerdings schweigt sich Hunold, der sich schon mal im Gespräch als erfolgreicher Ex-Kellner in der Düsseldorfer Altstadt mit zehn Jahren Serviererfahrung ("mein Psychologiestudium") und gescheiterter Jurastudent bezeichnet, über die Höhe seines Gewinns aus.

          Der Gewerkschaftshasser - auch eine Übereinstimmung mit Bischoff - und schnelle Duzer hat eine Nase für Geschäftsentwicklungen. Als die Charterfliegerei für Veranstalter schwieriger wurde, imitierte er das Billigflugmodell teilweise. Er steigerte den Einzelverkauf von Tickets, flog Städte in Europa an, was einiges Naserümpfen der Etablierten mit sich brachte. Zugleich baute er Palma de Mallorca als Drehkreuz aus, beteiligte sich an der Österreichische Fluggesellschaft "Niki" des früheren Formel 1-Rennfahrers Niki Lauda. Nun spekuliert die Branche, ob der vierfache Vater auf mittlere Frist mit der DBA eine Verbindung eingehen könnte. Dann wäre Hunolds Air Berlin der schärfste deutsche Konkurrent der Lufthansa.

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