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Jerusalem : Hamas übt Vergeltung: Tote und Verletzte im Uni-Café

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Bei einem Anschlag in einer Cafeteria der Hebräischen Universität in Jerusalem sind mindestens sieben Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden.

          Bei einem Bombenanschlag auf die Hebräische Universität von Jerusalem sind am Mittwoch mindestens sieben Menschen getötet und mehr als 70 weitere verletzt worden. Der Sprengsatz detonierte zur Mittagszeit in der vollbesetzten Cafeteria der Universität. Entgegen ersten Berichten ging die Polizei später nicht mehr von einem Selbstmordanschlag aus, vielmehr sei die Bombe versteckt worden. Es war der zweite Anschlag in Jerusalem in zwei Tagen.

          Zu dem Attentat bekannte sich der bewaffnete Flügel der radikal-islamischen Hamas, die Kassam-Brigaden. Mit dem Anschlag sollte Vergeltung für den israelischen Luftangriff auf Gaza von vergangener Woche geübt werden. Bei dem Luftangriff waren der Führer der Gruppe, Salach Schehade, und 14 unbeteiligte Personen getötet worden.

          Offenbar auch Araber unter den Opfern

          Zurzeit werden in der Universität Examina abgenommen; die Cafeteria im Internationalen Studentenzentrum war gut besucht. Der Campus am Scopusberg ist eine jüdische Enklave inmitten eines palästinensischen Viertels im Ostteil Jerusalems. Die meisten der Studenten sind Juden, aber auch viele Araber und Ausländer sind dort immatrikuliert. Der Fernsehsender Kanal 2 berichtete, unter den Opfern seien vermutlich auch Araber.

          Erneuter Anschlag in Jerusalem

          Erst am Dienstag hatte sich ein 17-jähriger Palästinenser in Jerusalem vor einem Schnellimbiss in die Luft gesprengt und sieben Passanten verletzt. Der aus Bethlehem stammende Attentäter war sofort tot. Bei mehr als 70 von Palästinensern verübten Selbstmordanschlägen kamen in den vergangenen 22 Monaten mehr als 250 Israelis ums Leben.

          Ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon sagte, der Anschlag zeige, dass Israel für das Recht kämpfe, Bus zu fahren, zum Markt zu gehen oder in der Cafeteria zu sitzen, ohne dass man Angst vor einem Anschlag haben müsse.

          Die palästinensische Autonomieregierung verurteilte die Bluttat und gab dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon die politische Verantwortung für die Spirale der Gewalt.

          Reaktionen im Ausland

          Die Europäische Union hat den Anschlag „auf das schärfste“ verurteilt. Beide Seiten sollten aber ihre Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts fortsetzen, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung der dänischen Ratspräsidentschaft. Die Autonomiebehörde müsse außerdem alles tun, um solche Taten in Zukunft zu verhindern. Auch der amerikanische Präsident George W. Bush bezeichnete das Attentat als „entsetzliche terroristische Tat“.

          Der Außenbeauftragte der Europäischen Union, Javier Solana, nannte die Tat „hasserfüllt“. Nichts rechtfertige die „blinde Ermordung unschuldiger Zivilisten“, hieß es in einer in Brüssel veröffentlichten Erklärung. UN-Generalsekretär
          Kofi Annan zeigte sich „erschüttert“.

          Angehörige von Attentätern werden ausgewiesen

          Am Mittwoch hat das israelische Kabinett nach Angaben aus politischen Kreisen die Ausweisung eines Angehörigen eines palästinensischen Selbstmordattentäters beschlossen.

          Das Vorhaben Israels, Familienangehörige von Selbstmordattentätern auszuweisen, war international auf scharfe Kritik gestoßen. Mit dem Streit um die kollektive Bestrafung beschäftigt sich auch das Oberste Gericht in Israel, nachdem 16 Palästinenser aus dem Westjordanland Einspruch gegen ihre angekündigte Ausweisung in den Gazastreifen eingelegt hatten.

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