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Jemen : Ein neues Bündnis über den Golf von Aden

Wollen Al Qaida im Jemen im Kampf unterstützen: die berüchtigten somalischen Al-Shabaab-Milizen Bild: REUTERS

Die Al-Shabaab-Milizen aus Somalia haben angekündigt, Al Qaida im Jemen im Kampf zur Seite zu stehen. Die dortige Regierung bemüht sich, den Westen zu beruhigen: Sie sei wachsam und werde sich solchen Versuchen entschlossen entgegenstellen, ließ sie verkünden.

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          Die somalischen Al-Shabaab-Milizen wollen Al Qaida im Jemen zu Hilfe gekommen. Unter lauten „Allahu akbar“-Rufen hatte Scheich Muchtar Robou am Freitag nördlich von Mogadischu ausgerufen, junge Kämpfer über den Golf von Aden zu senden, um dort die „muslimischen Brüder im Jemen“ in deren „Kampf gegen die Feinde Gottes“ zu unterstützen. Muchtar Robou, einer der Führer der islamistischen Milizen, sprach bei einer Zeremonie für mehrere hundert neu ausgebildete Kämpfer.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der jemenitische Außenminister Abu Bakr al Qirbi warnte darauf am Wochenende, der Jemen sei wachsam gegenüber jedem Versuch der Infiltration und gegenüber jedem Versuch, der sich gegen dessen Sicherheit und Stabilität des Landes richte. Der Jemen werde keine Anwesenheit terroristischer Elemente auf seinem Boden dulden, sagte Qirbi weiter. Er empfahl den Al Shabaab, zunächst in Somalia für Stabilität zu sorgen, anstatt Terror zu exportieren.

          Gute Kontakte zu arabischen Dschihadisten

          In einem ersten Schritt entsandte die Regierung mehrere hundert zusätzliche Soldaten in die beiden Provinzen Marib und Dschauf. Die Zentralregierung übt in beiden Provinzen im Osten des Landes kaum Kontrolle aus. In beiden genießen mehrere hundert Dschihadisten den Schutz von Stämmen, die im Konflikt mit der Zentralregierung stehen. Beide gelten als Rückzugsgebiet von Al Qaida. Sie liegen an der Grenze zu Saudi-Arabien, von wo ein großer Teil ihrer Mitglieder stammt. Offenbar pflegt Scheich Muchtar Robou Kontakte zu arabischen Dschihadisten. Das legt sein arabischer Beiname „Abu Mansur“ nahe.

          In der jemenitischen Dschihadistenszene ist wohl die „Unterhosenbombe“ entwickelt worden, mit der erst ein im Jemen ausgebildeter saudischer Dschihadist im vergangenen August den stellvertretenden saudischen Innenminister Muhammad Bin Nayef Al Saud töten wollte. Danach wurde der Nigerianer Umar Faruq Abdulmuttalab im Gebrauch desselben Sprengstoffs PETN ausgebildet. Noch sind bei „Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel“, die vor allem jemenitische und saudische Dschihadisten umfasst, keine nennenswerten Kämpfer aus Somalia bekannt.

          Stärkung für Al Qaida im Jemen

          Im Jemen landen aber jedes Jahr 50.000 Flüchtlinge aus Somalia, die den Golf von Aden überqueren und auf der gegenüberliegenden Flanke des Nordens Somalias an der jemenitischen Küste stranden. Arabische Terrorexperten warnen vor einer Stärkung Al Qaidas im Jemen, da sich die Terrorgruppe dort eines für sie sichereren und stabileren Umfeldes als in jedem anderen Land erfreue. Der Jemen habe für Al Qaida eine hohe strategische Bedeutung. Sie warnen ferner davor, dass die Gefahr von Anschlägen aus dem Jemen zunehme, je besser die Qualität der Ausbildung werde.

          Eine gute Nachricht ist für die von vielen Krisen geplagte Zentralregierung, dass die Houthi-Rebellen im Norden des Landes das Angebot von Staatspräsident Saleh zur Beendigung der Kämpfe als „eine positive Geste und einen Schritt Richtung Frieden“ gutgeheißen haben.


          Von Rainer Hermann

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