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Jean-Pierre Bemba : Intelligent und skrupellos

  • -Aktualisiert am

Sollte getötet werden: Präsidentschaftskandidat Bemba Bild: AP

Er gilt als ebenso intelligent wie skrupellos und herrisch. Auch wegen seiner Unberechenbarkeit wurde die EU-Truppe nach Kongo geschickt. Dem Vizepräsidenten und Herausforderer Jean-Pierre Bemba traute man durchaus Putschgedanken zu. Ein Porträt.

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          Eigentlich hatte sich niemand Jean-Pierre Bemba als Rebellenführer vorstellen können, denn eigentlich war er genau das Gegenteil. Er ist in Belgien aufgewachsen und ausgebildet worden und zählte als Sohn eines der reichsten Männer Kongos zu Mobutus Zeiten zur „Jeunesse dore“ von Kinshasa. Eine seiner Schwestern ist mit einem der Söhne Mobutus verheiratet, und Bemba hatte es stets verstanden, die exzellenten Verbindungen zugunsten seiner Geschäfte zu nutzen.

          Der Umschwung kam mit dem Einmarsch von Laurent-Desiré Kabila 1991 in Kinshasa. Bemba, damals längst Multimillionär, reagierte nach eigenen Angaben „allergisch“ auf den Berufsrebellen Kabila und gründete in seiner Heimat Equateur eine Rebellenbewegung namens „Mouvement pour la libération de Congo“ (MLC), die großzügig von Uganda unterstützt wurde. Nach der Ermordung Kabilas, der Inthronisierung seines Sohnes Joseph Kabila und dem Friedensabkommen von Südafrika avancierte Bemba zu einem von vier Vizepräsidenten der kongolesischen Übergangsregierung.

          Verurteilt wegen Menschenschmuggel

          Die diplomatische Immunität, die er seither genießt, schützt ihn vor allerlei Unbill. Aufgrund der massiven Plünderungen seiner Truppen im Nachbarland Zentralafrikanische Republik ist beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eine private Klage wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen ihn anhängig. Zudem wurde er von einem belgischen Gericht wegen Menschenschmuggels rechtskräftig zu 18 Monaten Haft verurteilt.

          Der 42 Jahre alte Vater von vier kleinen Kindern gilt als ebenso intelligent wie skrupellos und herrisch. Die Entsendung einer europäischen Schutzmacht zur Sicherung des Wahlergebnisses in Kongo hatte vor allem mit der Unberechenbarkeit Bembas zu tun, dem durchaus Putschgedanken zugetraut wurden. Obwohl er aufgrund seiner wenig Vertrauen erweckenden Vergangenheit fast chancenlos in den Wahlkampf gestartet war, kam er in Kinshasa auf Wahlergebnisse von mehr als 50 Prozent. Bemba hatte sich geschickt als „Sohn des Landes“ stilisiert und dabei auf die vermeintliche ruandische Abstammung von Joseph Kabila gezielt. Dabei ist Bemba selbst alles andere als ein echter Kongolese: Sein Großvater väterlicherseits war ein portugiesischer Händler.

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