https://www.faz.net/-gpf-89vwj

James Bond und die Realität : „C“ ist der wahre „M“

Ralph Fiennes in der Rolle des „M“ im neuen James-Bond-Film „Spectre“ Bild: AP

Der Mann, der James Bond die Befehle erteilt, heißt „M“. Im wahren Leben ist „M“ allerdings „C“. So wird der Chef des Auslandsgeheimdienstes MI6 intern genannt. Das hat sogar ein bisschen mit Deutschland zu tun.

          Der Mann, von dem James Bond seine Befehle entgegennimmt, heißt „M“. Im wahren Leben ist „M“ allerdings „C“, denn so wird der Chef des Auslandsgeheimdienstes MI6 intern genannt, was wiederum mit dessen Gründer und sogar ein bisschen mit Deutschland zu tun hat. Fünf Jahre vor dem Ersten Weltkrieg gründeten Captain Vernon Kell und Captain Mansfield Smith-Cumming das „Secret Service Bureau“, das sich bald darauf teilte. Kell und seine Männer versuchten, die deutschen Spione im Inland zu enttarnen, während Smith-Cummings Agenten Militärgeheimnisse außerhalb der Grenzen aufspüren wollten. So entstanden, jedenfalls laut offizieller Geschichtsschreibung, die beiden Geheimdienste, die bis heute von „C“ und „K“ geleitet werden, obwohl die moderne Medienwelt längst ihre bürgerlichen Namen kennt.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          „C“ ist seit Oktober 2014 Alex Younger, der auf dem offiziellen Foto, das der MI6 herausgibt, ein freundliches Lächeln auf den Lippen trägt. Es gibt noch ein anderes Bild, das Younger vermutlich dabei zeigt, wie er gerade einem seiner Agenten die Lizenz entzieht. Geboren wurde er am amerikanischen Unabhängigkeitstag vor 52 Jahren, aber mit jedem weiterem Tag sinkt die Präzision der über ihn verfügbaren Angaben. Younger besuchte eine Schule in der Grafschaft Wiltshire, studierte und diente zunächst in den Streitkräften, aus denen er im Range eines Captains zum „Secret Intelligence Service“ wechselte, wie der MI6 auch genannt wird. Nach „Verwendungen in Europa, im Nahen Osten und Afghanistan“ wurde er zum Leiter der Abteilung „Counter Intelligence“, bevor er über das Amt des stellvertretenden Direktors zu „C“ wurde. Seine Hobbys gibt die Behörde mit Musik, Segeln und Bergsteigen an.

          „C“ ist seit Oktober 2014 Alex Younger.

          In der Öffentlichkeit ist Younger so gut wie nie zu sehen und zu hören. Deutlich mehr wusste man von seinem Vorgänger John Sawers, aber das hatte mit einem Missgeschick seiner Ehefrau zu tun, die Sawers’ Beförderung zum neuen „C“ auf Facebook kundtat und mit privaten Urlaubsfotos garnierte. Viele „likten“ das - es war wohl die einzige Zeit in der Geschichte, in der die Briten wussten, welche Badehosen der Chef des MI6 trug.

          Auch „K“, der Andrew Parker heißt und gegenüber von „C“ am anderen Themse-Ufer residiert, ist eine Spur offener für Öffentlichkeit. Neulich gab er sogar das erste Radiointerview eines MI5-Chefs, in dem er die Notwendigkeit des neuen, in dieser Woche eingebrachten Geheimdienstgesetzes bekräftigte.

          Ungefähr so viel weiß man auch von Robert Hannigan, dem Chef der „General Communications Headquarters“ (GCHQ), der dritten Behörde im britischen Geheimdienstbund. In einem Zeitungsartikel beschwerte er sich neulich über die Sicherheitslücken nach den Enthüllungen Edward Snowdens und forderte einen „Pakt zwischen demokratischen Regierungen und Technologiefirmen zum Schutz unserer Bürger“. Ein überzeugter Datensammler wie Hannigan stand Pate für den neuen Oberboss, der sich im neuen Bond-Film „Spectre“ alle Geheimdienstchefs, selbst „M“, unterstellen lässt. Dass der in Wirklichkeit „C“ genannt wird, lässt sich nur als weiteres Täuschungsmanöver erklären.

          Weitere Themen

          Scheuer eröffnet Teststrecke für vernetztes Fahren Video-Seite öffnen

          DAI-Labor der TU Berlin : Scheuer eröffnet Teststrecke für vernetztes Fahren

          Bei der Einweihung des Testgeländes sprach Scheuer auch über die anstehende Klimadebatte im Bundestag. Auch hierbei soll die Über 100 Sensoren entlang der Strecke erfassen unter anderem das Wetter, den Verkehr, die Parksituation und die Umweltbelastung.

          Topmeldungen

          Signale des Bewusstseins, im Computer rekonstruiert: links ein fast bewusstloser Komapatient, rechts ein Gesunder, in der Mitte ein Komapatient mit Bewusstsein.

          Wegen Fehlverhaltens : Urteil gegen den Primus der Hirnforschung

          Der weltbekannte Hirnforscher Niels Birbaumer behauptet, Locked-In-Patienten wieder kommunikationsfähig zu machen. Jetzt hat ihn die DFG wegen Fehlverhaltens verurteilt. Er will trotzdem weitermachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.