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: Jagd auf die "Dresden"

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August Bögl aus Wengoyen, Ostpreußen, ist 20 Jahre alt und hat eben seine Ausbildung als Mechaniker beendet, da wird er zum Militärdienst gerufen: Heizer auf der S.M.S. Dresden, Ausfahrt in Kiel am 13. Dezember 1913. Die Dresden, 118 Meter lang, mit einem revolutionären Turbinenantrieb ausgestattet, ist so schnell wie kein anderes Schiff dieser Größe, bewaffnet mit zehn 10,5-Zentimeter-Kanonen, acht Schnellladekanonen, zwei Torpedorohren. Ihr Ziel ist Mexiko. Dort ist Pancho Villas Revolution ausgebrochen, und die "Dresden" soll die deutschen Interessen wahren in dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Land. Nach dem Sieg der Revolutionäre, Juli 1914, fliehen die reichen Deutschen, mit ihnen kommt der abgesetzte mexikanische Präsident an Bord der "Dresden". Das Schiff bringt die Flüchtlinge ins karibische Exil. Da bricht in Europa der Krieg aus. Statt heimzukehren, schließt sich die "Dresden" dem ostasiatischen Kriegsgeschwader von Vizeadmiral Graf von Spee an. Auf dem Weg in den Pazifik versenkt sie so viele britische Handelsschiffe wie möglich; der gegnerischen Besatzung wird jeweils erlaubt, rechtzeitig von Bord zu gehen. Am 1. November 1914 kommt es vor der chilenischen Küste zur großen Seeschlacht. Graf von Spee fügt dem Verband der englischen Kriegsmarine die erste Niederlage seit mehr als hundert Jahren zu. Der Anführer der Briten, Konteradmiral Christopher Craddock, der bei der Schlacht sein Leben verliert, ist von Spees Jugendfreund. In den Kolonien Patagoniens feiern die Deutschen ihre Helden.

Übermütig befiehlt der Kommandant seine Schiffe über das Kap Hoorn zum Angriff auf die britischen Falkland-Inseln. Dort ist unterdessen Verstärkung eingetroffen, die britische Übermacht versenkt vier deutsche Kreuzer. Der deutsche Befehlshaber, obwohl vom Gegner zur Kapitulation eingeladen, zieht es vor, zusammen mit 2400 Mann Besatzung unterzugehen, seine beiden Söhne eingeschlossen. Nur die S.M.S. "Dresden" entkommt - ihre Flucht ums Kap Hoorn zurück an die chilenische Küste wird zu einer der längsten und abenteuerlichsten Verfolgungsjagden in der Geschichte der unchristlichen Seefahrt.

Drei englische Panzerkreuzer sind hinter ihr her. Die "Dresden" zählt auf die Hilfe der deutschen Auswanderer in Feuerland und Patagonien. Sie lotsen die Landsleute in enge Fjorde, rüsten sie mit Lebensmitteln und Kohle aus. Aber auch die Engländer besitzen ihre Spione an Land, immer wieder muss das deutsche Schiff sein Schlupfloch verlassen, gelingt es ihm, die Verfolger zu täuschen; erst nach einer Jagd von fünfzehn Monaten wird die "Dresden" vor der Inselgruppe Juan Fernández gestellt. Noch während der sprachkundige Oberleutnant Wilhelm Canaris mit den Engländern verhandelt, öffnet Oberheizer August Bögl die Luken und Ventile der "Dresden"; die Mannschaft begleitet die erfolgreiche Selbstversenkung, 14. März 1915, 11.15 Uhr, vom Ufer aus mit Jubelrufen auf den Kaiser. Die 300 Besatzungsmitglieder werden bis zum Ende des Krieges in einem Gefangenenlager auf einer chilenischen Insel interniert.

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