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Italien : Frischer Wind

  • -Aktualisiert am

Dem Kabinett von Renzi fehlt der Glanz Bild: REUTERS

Der einzige Star in der Regierung Renzi ist er selbst, und darum muss er auch die Last der Erwartungen und Hoffnungen als „letzte Chance“ Italiens fast alleine tragen.

          Es ist nicht alles so gelaufen, wie sich das Matteo Renzi, der neue Ministerpräsident Italiens, für seine Regierungsbildung gewünscht hätte. Die großen Namen, die er gerne für wichtige Posten gewonnen hätte – Leute aus der Industrie oder aus dem Kulturleben –, sind seinem Ruf nicht gefolgt. Seinem Kabinett fehlt damit der Glanz, den er ihm gerne verliehen hätte, dazu die Verankerung in der Bürgergesellschaft, die ihm vielleicht geholfen hätte, unpopuläre Reformen durchzusetzen. Der einzige Star in dieser Regierung ist er selbst, und darum muss er auch die Last der Erwartungen und Hoffnungen als „letzte Chance“ Italiens fast alleine tragen.

          Charismatiker, das hat der große Soziologe Max Weber schon vor einem Jahrhundert gesehen, sind Personen für außergewöhnliche Situationen. Im Alltag, der in einer Demokratie notwendigerweise von bürokratischen Prozeduren und institutionellen Regelungen geprägt ist, nutzt sich ihr Charisma (oder, wer es eine Nummer kleiner haben will, ihr Charme) leicht ab. Anders gesagt: Reden alleine tun es nicht, auch ein charismatischer Politiker wie Renzi braucht sichtbare Erfolge, um die Bevölkerung bei der Stange zu halten. Ein probates Mittel, diese Schwierigkeit zu überspielen, ist es deshalb, auch dem Alltag den Stempel des Außerordentlichen aufzuprägen. Renzi hat das in gewisser Weise schon praktiziert, als er nach seiner Ernennung durch den Staatspräsidenten Napolitano für die kommenden Monate, Schlag auf Schlag, große Reformen angekündigt hat – Reformen, an denen seine Vorgänger, so sie es denn versucht hatten, in jahrelanger Kleinarbeit gescheitert waren. Die Bürger Italiens werden beobachten, ob es dem ehemaligen Bürgermeister von Florenz mit dem Schwung des neuen, jungen Mannes gelingt, diese hohen Hürden zu überspringen.

          Unklar ist noch, was Renzi finanz- und wirtschaftspolitisch vorhat. Mehrfach hat er kundgetan, dass er nicht viel von den europäischen Austeritätsprogrammen hält und sich auch nicht nach den Vorgaben der EU (Maastricht-Kriterien) richten will. Da wird ihm nicht nur die Brüsseler Kommission, da werden ihm auch andere Regierungen, die unter diesen Vorgaben ächzen, genauer auf die Finger sehen. Dennoch ist es gut, dass durch die italienische Politik, die im Klein-Klein der Parteien wie erstarrt wirkte, endlich wieder ein frischer Wind weht.

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