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Italien : Berlusconi will vorerst Außenminister bleiben

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Berlusconi gibt auch außenpolitisch das Heft nicht mehr aus der Hand Bild:

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi plant nach Angaben italienischer Zeitungen, das Außenministerium mindestens sechs Monate zu führen.

          Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will nach dem Rücktritt von Außenminister Renato Ruggiero das Außenressort vorerst selbst führen. Außerdem plant er einen umfassenden Umbau des Ministeriums. „Ich will der Behörde eine neue Struktur geben, damit es unsere Unternehmen im Ausland unterstützen kann.“

          Nach einem Bericht der Mailänder Zeitung „Corriere della Sera“ will der 65-jährige Berlusconi für mindestens sechs Monate Außenminister bleiben. Er werde sich bei der Reform des Ministeriums und der Wahl eines Nachfolgers Zeit lassen. Andere Zeitungen berichteten, man wolle bis März einen neuen Minister finden.

          "Außenpolitik bleibt europäisch"

          Berlusconi hatte das Amt Sonntagabend offiziell als Interims-Chef übernommen und trat sofort Zweifeln am Europa-Kurs seiner Regierung entgegen. „Unsere Außenpolitik bleibt überzeugt europäisch. Es gibt nur eine außenpolitische Linie in der Regierung, die sich nicht verändern wird und deren Garant ich selbst bin.“ Weiter sagte Berlusconi, er bleibe Außenminister „solange es notwendig ist“.

          Schröder bedauert Ruggieros Rücktritt

          Bundeskanzler Gerhard Schröder bedauerte den Rückzug des 71-jährigen Ruggieros im Zuge der Euro-Debatte. Ruggiero habe in seiner halbjährigen Amtszeit bewiesen, „dass er ein überzeugter Europäer und guter Freund Deutschlands ist“. Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Laurent Fabius forderte: „Italien muss sein europäisches Engagement bekräftigen.“

          Erster Ministerrücktritt

          Ruggiero hatte Euro-Kritiker in der Regierung ermahnt und wurde deswegen von Berlusconi öffentlich gemaßregelt. Darauf trat der Außenminister zurück. Es war der erste Ministerrücktritt aus der Mitte-Rechts-Koalition seit Berlusconis Wahlsieg im Mai.

          Die römische Opposition warf der Regierung vor, sie würde Ansehen und Einfluss Italiens in Europa verspielen. Außerdem gebe Berlusconi dem populistischen Europa-Gegner und Chef der Liga Nord, Umberto Bossi, immer mehr nach. Bossi gehört dem Kabinett als Minister für Reformen und regionale Autonomie an.

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