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Italien : Berlusconi: Meine Kinder fühlen sich wie Juden unter Hitler

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Silvio Berlusconi Bild: dpa

Wieder einmal stellt sich Silvio Berlusconi als Justizopfer dar. „Wir haben wirklich alle gegen uns“, sagt er über seine Familie - und ruft mit einem Hitler-Vergleich Empörung hervor.

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          Der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat in Italien Empörung ausgelöst. Er werde sein Land nicht im Stich lassen, „auch wenn sich meine Kinder so fühlen wie die Juden unter Hitler“, sagte Berlusconi im Interviewbuch „Salz, Zucker und Kaffee“, aus dem das italienische Nachrichtenportal Rainews 24 am Mittwoch vorab zitierte. Berlusconi antwortete mit diesem Vergleich auf die Frage eines Journalisten, ob seine Erben erwogen hätten, ihre Firmenbeteiligungen zu verkaufen und Italien den Rücken zu kehren.

          „Wir haben wirklich alle gegen uns“, heißt es in dem Buch weiter; gleichwohl denke er nicht daran, sein Land zu verlassen, sagte der 77 Jahre alte Politiker und Unternehmer Berlusconi, der wegen Steuerhinterziehung und Beihilfe zur Prostitution zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden war. „Ich bin zu 100 Prozent Italiener. Meine Wurzeln habe ich in Italien. In Italien bin ich geworden, was ich bin“, so Berlusconi. „Das ist mein Land, das Land, das ich liebe, das Land, in dem ich alles habe: meine Familie, meine Freunde, die Firmen, mein Haus, und wo ich Erfolg hatte als Student, als Unternehmer, als Mann des Sports und Staatsmann.“

          Jüdische Gemeinschaft: „Unfassbar“

          Italiens jüdische Gemeinschaft kritisierte Berlusconis Vergleich mit den Juden unter Hitler als „unfassbar“ und als Angriff auf die Erinnerung an die vielen Millionen ermordeten Juden. Italien sei eine Demokratie, sagte Renzo Gattegna, das nazistische Deutschland sei hingegen eine verachtenswürdige Diktatur gewesen, die von Kriminellen gelenkt wurde, die die schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübten.

          Am 27. November will der Senat über Berlusconis Ausschluss abschließend abstimmen, gab derweilen das Haus bekannt. Der zuständige Ausschuss hatte schon vor Wochen entschieden, dem rechtskräftig wegen Steuerbetrug verurteilten Berlusconi das Mandat zu entziehen. Für diesen Fall drohen Parteigänger Berlusconis weiter damit, die Koalition mit den Sozialdemokraten von Ministerpräsident Enrico Letta zu verlassen.

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