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Vom Gift der Zwietracht : Ist ein Krieg in Europa wieder denkbar?

„Die Freiheit führt das Volk“: Ein von von Eugene Delacroix inspiriertes Wandgemälde in Paris zeigt die Proteste der Gelbwesten. Bild: dpa

Der Kriegsgedanke schien in den vergangenen Jahrzehnten aus Europa gewichen zu sein. Doch ein Teil der Menschen will streiten – und kann die Lust dazu offenbar nicht mehr unterdrücken.

          7 Min.

          Kürzlich war die CDU-Vorsitzende in Brüssel. Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Saarland und damit an der Grenze zu Frankreich lebt, erinnerte daran, dass Europa ein Friedensprojekt sei. Sie mahnte, sich dessen Dauerhaftigkeit nicht zu sicher zu sein. Auch vor dem Ersten Weltkrieg hätten viele angenommen, der Frieden in Europa werde anhalten. Die CDU-Chefin mit dem Willen zur Kanzlerschaft neigt nicht zum Alarmismus und ist noch dazu zutiefst überzeugt von der Bedeutung des Zusammenschlusses der europäischen Staaten. Umso ernster sind ihre Worte zu nehmen. Es geht um ein uraltes Thema, das seit kurzem an verschiedenen Stellen Europas wieder auftaucht.

          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Etwa in Großbritannien. Je näher der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union rückt, je größer das politische Durcheinander in London ist und je dringender das Flehen auf dem Festland wird, die Briten sollten doch endlich sagen, was sie wollten, damit ein geordneter Brexit noch gelingen könne, desto mehr drängt sich ein Verdacht auf: Vielleicht besteht das Ziel derjenigen, die mit wüsten Parolen gegen die Europäische Union wettern und lieber vorgestern als gestern von ihr loskommen wollen, gerade darin, dieses nicht in einem möglichst geordneten Verfahren und einvernehmlich mit dem Rest der EU zu tun. Der harte Schnitt unter Inkaufnahme zumindest vorübergehender chaotischer Zustände als Selbstzweck, die Erosion als einzig akzeptabler Ausdruck von Empörung.

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