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Waldbrand : Stoßgebete für ein wenig Regen

Tausende Liter: Bewohner und Urlauber beobachten einen Löschhubschrauber bei der Wasseraufnahme. Bild: dpa

Der größte Waldbrand in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern könnte das Werk eines Brandstifters gewesen sein – vier Dörfer mussten evakuiert werden, die Landesregierung hofft auf himmlische Hilfe.

          „Das ist ein wunderschönes Gebiet“, sagt Till Backhaus. Eine Heidelandschaft, der weite Wald, eine schöne eiszeitliche Wanderdüne. „Wenn sie da stehen mit Biologen, kriegen die ein Glänzen in den Augen“, sagt er. Backhaus spricht vom früheren Truppenübungsplatz, in dem es nun brennt. Er ist Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern und sitzt am Dienstagvormittag in Lübtheen vor der Einsatzzentrale der Rettungskräfte, die sich im Haus der Freiwilligen Feuerwehr befindet. Unten stehen die Pokale in den Regalen aufgereiht und Porträts der Feuerwehrmänner von 1906 hängen an der Wand, dem Jahr, in dem die Feuerwehr ihr 25-jähriges Jubiläum feierte: ernste Männer mit beeindruckenden Bärten. In der Etage darüber berät sich der Einsatzstab und neben dem Haus sammeln sich auf einem staubigen Platz Fahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr. Sie kämpfen gegen den größten Waldbrand in der Geschichte von Mecklenburg-Vorpommern. Backhaus ist mit einem Hubschrauber drüber geflogen. „Da kriegen Sie eine Stimmung“, sagt der Minister. „Ich will nicht sagen, da laufen die Tränen. Aber man ist da nicht weit weg davon.“

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Es ist Dienstag, der dritte Tag, an dem der Wald in dem ehemaligen Truppenübungsplatz im Südwesten Mecklenburgs brennt, und Backhaus zieht eine erste Bilanz. Vier Dörfer sind evakuiert, insgesamt 780 Menschen betroffen. Mehr als 2000 Rettungskräfte sind in vier Schichten im Einsatz. Mehr als 600 Hektar Wald brennen, so ganz klar ist das nicht, das Feuer bewegt sich weiter und die Zahlen ändern sich. Hochgradig ist das Gebiet belastet mit alter Munition, der Einsatz ist mühsam. Aus Angst vor Detonationen und Splittern dürfen die Einsatzkräfte nicht näher als 1000 Meter an das Feuer heran. In einer Lagebesprechung haben sie Karten gesehen, erzählt Backhaus, neue Fotos vom Brand und auch Wärmebilder. Neben der Munition macht den Einsatzkräften der Wind zu schaffen, der immer wieder dreht und auffrischt. Und auch die zwanzig bis dreißig Zentimeter dicke Humusschicht ist ein Problem Sie hat sich auf dem Waldboden gebildet, der viele Jahre schon sich selbst überlassen wurde. Backhaus spricht von einer „wahnsinnigen Hitze“ dort, die Nadeln der Bäume verglühten geradezu. Es gibt aber auch Erfolge zu vermelden: Es gebe keine Toten oder Verletzten, sagt Backhaus, die Dörfer seien gesichert. „Jetzt kann man nur hoffen und beten zum lieben Herrgott, dass es regnet.“ Mehr als ein paar einzelne Tropfen sind aber noch nicht gefallen. Bedeckt ist der Himmel. Es ist nicht ganz klar, ob es das Wetter ist. Oder auch Rauch.

          Vom Gestank jedenfalls, der bis hinunter nach Sachsen gemeldet wurde, ist in Lübtheen nichts zu riechen, und vom Feuer nichts zu sehen. Gut 6000 Hektar groß ist der Truppenübungsplatz, davon etwa 4000 Hektar Wald. In Lübtheen haben sich die Rettungskräfte eingespielt, Einsatzwagen kommen an und fahren los, Wasserwerfer warten, alles erstaunlich still und unaufgeregt. Nur hin und wieder dröhnt ein Hubschrauber am Himmel. Die Rettungskräfte haben um die bedrohten Dörfer herum Schneisen gewässert und vor einem Dorf auch das Feuer zurückgedrängt. Backhaus erzählt, dass nach einem Gespräch der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nun auch viele Soldaten hier seien. Er sei sehr dankbar. Er hat natürlich auch viel Lob übrig für die Einsatzkräfte und die Einsatzleitung.

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          Über dem Feuer lassen Hubschrauber immer wieder Wasser ab. Flüsse in der Region werden aufgestaut, um mehr Löschwasser zu gewinnen. Berge- und Pionierpanzer sind im Einsatz. Seit vielen Jahren schon wurden die alten Wege nicht mehr gepflegt, nun sind sie zugewuchert mit Büschen und Sträuchern. Die Panzer räumen mit ihren Schaufeln die Wege frei, dann kann die Feuerwehr entscheiden, wo breitere Brandschneisen geschlagen werden sollen. Bis zu diesem Mittwochmorgen hoffe man, große Fortschritte zu erzielen. Stefan Sternberg sagt: „Wir gehen von der Verteidigung in den Angriff“.

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