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Amerika : Präsident von Putins Gnaden?

Trump bei einer Wahlkampf-Veranstaltung im Oktober 2016 Bild: dpa

Donald Trump will aus naheliegenden Gründen nichts von einer Einflussnahme Moskaus auf seinen Wahlsieg hören. Der Herr im Kreml dagegen hat ein weit innigeres Verhältnis zu seinen Geheimdiensten.

          Kann man den amerikanischen Geheimdiensten trauen? Ihr künftiger oberster Dienstherr scheint ausweislich seiner 140-Zeichen-Äußerungen nicht dazu zu neigen. Die ersten Berichte, die CIA, NSA und andere dem baldigen Präsidenten Trump vorlegten, werden das wohl kaum ändern. Darin heißt es, Moskau habe nach alter Tschekisten-Manier, aber mit neuen Methoden in den amerikanischen Wahlkampf eingegriffen – um die Waage zugunsten Trumps zu neigen, der offenkundig einen Narren an Russlands Präsidenten Putin gefressen hat.

          Welchen Einfluss der angebliche Diebstahl und die gezielte Weitergabe von „gehackten“ Informationen auf den Ausgang der Präsidentenwahl gehabt haben könnten, ist nicht zu quantifizieren. Doch hätte sich, wenn die Behauptungen stimmten, eine fremde Macht in die wichtigste Entscheidung der amerikanischen Demokratie eingemischt, die Folgen für die ganze Welt hat. Und Trump wäre in gewisser Weise auch Präsident von Putins Gnaden.

          Zweifel an seiner Legitimation wird Trump aber niemals akzeptieren können. Wenn es diese Operation tatsächlich gab (die nicht ohne Billigung von oberster Stelle möglich gewesen wäre), dann müssten die russischen Geheimdienstler ihrem Herrn, der anders als Trump vom Fach ist, untertänigst zu seinem Coup gratulieren: Der Kreml bekam den amerikanischen Präsidenten, den er sich wünschte; der neue Mann im Weißen Haus misstraut dem eigenen Apparat; und die westlichen Demokratien wissen jetzt, dass bei unbotmäßigem Verhalten nicht nur Russlands „grüne Männchen“ zu fürchten sind, sondern auch seine digitalen Kampftruppen und Roboter an der Front im globalen Netz.

          Die digitale Revolution gab den Feinden der liberalen Demokratie und der offenen Gesellschaft Mittel zur Desinformation und zur Sabotage in die Hand, von der die Tschekisten im vergangenen Jahrhundert nur träumen konnten. Ihre nicht weniger skrupellosen Nachfolger führen damit einen asymmetrischen Krieg im Verborgenen, mit dem sich ganz ohne Panzer und Jagdbomber die reale Welt verändern lässt. Freiheit, Einigkeit und Souveränität des demokratischen Westens werden nicht nur vom islamistischen Terrorismus und dessen „analogen“ Attentätern bedroht. Es wäre schlimm für die freie Welt, wenn ausgerechnet der amerikanische Präsident das nicht begriffe – oder nicht begreifen wollte, aus welchen Gründen auch immer.

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