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Israelis und Palästinenser : Verwirrende Wasserzahlen

Blick über das Jordan-Tal Bild: AFP

Als EU-Parlamentspräsident Martin Schulz in der Knesset über den Wasserverbrauch von Israelis und Palästinensern sprach, ging es hoch her. Zahlen sind im Nahost-Konflikt immer hochpolitisch – und selten verlässlich.

          Mit seinen Äußerungen über den unterschiedlich hohen Wasserverbrauch von Israelis und Palästinensern hat sich Martin Schulz auf politisch vermintes Gelände begeben. Dabei legte sich der Präsident des Europäischen Parlaments selbst auf keine Zahlen fest, sondern zog es vor, nur die Frage eines jungen Palästinensers zu zitieren: „Wie kann es sein, dass Israelis 70 Liter Wasser am Tag benutzen dürfen und Palästinenser nur 17?“, habe ihn der Mann in Ramallah am Vortag gefragt, sagte Schulz in seiner Rede. Dafür wurde er von israelischen Politikern heftig attackiert. Er hätte besser recherchieren müssen, bevor er solche Aussagen mache, wurde Schulz vorgehalten.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Zahlen sind im Nahost-Konflikt immer hochpolitisch und selten wirklich verlässlich. Die von Schulz zitierten Zahlen wirken jedoch in der Tat eigenartig niedrig. Laut einem Anfang des Jahres veröffentlichten Bericht der israelischen Menschenrechtsorganisation Betselem verbrauchen Palästinenser im Westjordanland täglich etwa 73 Liter; im Norden sind es demnach in manchen Orten sogar nur 37 Liter. Den Pro-Kopf-Verbrauch in Israel beziffern die Menschenrechtler auf zwischen 211 und 242 Liter – mindestens drei Mal so viel wie in den Autonomiegebieten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt als ein Minimum täglich 100 Liter; dabei ist aber auch der Verbrauch in Krankenhäusern, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen eingerechnet.

          Einmal in der Woche Leitungswasser

          Die große Wasserknappheit, die auch Martin Schulz Sorgen bereitet, zeigt sich besonders im Jordantal, das landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Dort verbrauchen die knapp 10.000 israelischen Siedler nach Angaben von Menschenrechtlern rund ein Drittel des im Westjordanland zur Verfügung stehenden Wassers. Die jährlich insgesamt 45 Millionen Kubikmeter Wasser entsprächen knapp einem Drittel der Menge, die die 2,5 Millionen Palästinenser im gesamten Westjordanland konsumieren können. Die wachsende Bevölkerung in den Palästinensergebieten leide deshalb unter einer großen Wasserknappheit, heißt es bei Betselem. Selbst in den Städten fließt oft nur einmal in der Woche Wasser aus den Leitungen. Die israelischen Bauern im Jordantal sind dagegen in der Lage, das ganze Jahr über Landwirtschaft zu betreiben; ihre Produkte exportieren sie auch nach Europa.

          Landwirtschaft im Jordan-Tal

          Besonders dramatisch ist nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Lage im Gazastreifen, aus dem sich die israelische Armee zurückgezogen hat. Dort erwartet man, dass bis zum Ende des Jahrzehnts der Wasserbedarf um 60 Prozent steigen wird. Aber nach UN-Kalkulationen entspricht nur ein Zehntel des Wassers in Gaza den Anforderungen der WHO. Schon im Jahr 2016 könnten die letzten eigenen Trinkwasservorkommen nicht mehr für den Konsum geeignet sein. Gaza müsste dann von außen oder durch Entsalzungsanlagen versorgt werden.

          Israel rechnet anders

          Auf israelischer Seite macht man indes eine ganz andere Rechnung auf. So kommt die israelische Wasserbehörde auf einen palästinensischen Pro-Kopf-Verbrauch von 254 Litern pro Tag. Nach diesen Angaben lässt Israel zudem den Palästinensern deutlich mehr Wasser aus den gemeinsam genutzten Vorkommen zuleiten, als in den Friedensverträgen von Oslo in den neunziger Jahren vereinbart wurde.

          Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch wurde in Israel zuletzt mit gut 400 Litern angegeben. Zudem entnimmt Israel nach offiziellen Angaben weniger Trinkwasser aus den gemeinsam genutzten Grundwasserspeichern als 1967, da es über mehrere neue Meerwasserentsalzungsanlagen verfügt. Der palästinensische Verbrauch habe sich dagegen verdreifacht, sagen Regierungsvertreter. Auch die palästinensische Autonomiebehörde müsse deshalb selbst mehr tun, um die Wasserversorgung zu verbessern – an Hilfe aus Amerika und Europa mangele es dabei ja nicht.

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