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Israel und Syrien : In Erwartung eines Gegenschlags

Ende 2012 hatte Nasrallah seine Milizionäre zunächst nur in schiitische Dörfer entlang der syrischen Grenze zur libanesischen Bekaa-Ebene entsandt. Das militärische Engagement auf Seiten der Einheiten des Assad-Regimes weitete sich danach jedoch schnell aus. In den Provinzen Aleppo, Homs und Damaskus kämpfen Hizbullah-Mitglieder heute vor allem gegen die Nusra-Front, den syrischen Ableger von Al Qaida. Mehrere tausend Mann stark sind die schiitischen Hilfstruppen des alawitischen Regimes nach Angaben westlicher Militärs inzwischen. Zu der Verstärkung aus dem Libanon kommen schiitische Milizen aus dem Irak, von denen viele nach der Offensive des „Islamischen Staats“ (IS) im vergangenen Sommer jedoch an die Fronten nördlich von Bagdad zurückgekehrt sind, um die sunnitischen Extremisten zu bekämpfen.

Oder halten sich Iran und die Hizbullah zurück?

Die Golanhöhen sind erst im vergangenen Herbst ins Blickfeld der Hizbullah geraten. Nach der Entführung Dutzender Mitarbeiter der UN-Beobachtungsmission Undof war es der Nusra-Front dort gelungen, die syrischen Streitkräfte zurückzudrängen – und ihre Präsenz entlang der Demarkationslinie zu Israel auszubauen. Nach Berichten des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon an den Sicherheitsrat kam es dabei auch zu direktem Kontakt mit israelischen Soldaten, die den Dschihadisten bei der Versorgung von Verwundeten und bei logistischen Fragen halfen. In UN-Kreisen geht man davon aus, dass Israel eine Präsenz des Al-Qaida-Arms auf dem Golan der von Hizbullah und iranischen Revolutionsgardisten vorzieht.

Dass Pasdaran-Kommandeure unter den Opfern des Angriffs von Sonntag waren, zeigt, welche Bedeutung die Führung in Teheran der syrischen Südfront beimisst. Unweit von Quneitra liegt die Provinzhauptstadt Daraa, in der der Aufstand gegen Assad 2011 begann. Durch die gleichnamige Provinz führt die wichtigste Route zur Unterstützung der Rebellen aus Jordanien. Diese Verbindung zu unterbrechen liegt im Interesse Irans und der mit ihr verbündeten Hizbullah, die auf den Machterhalt Assads setzen. Auf den Golan sollen deren Einheiten aber auch eingesickert sein, um die Weiterreise von Nusra-Kämpfern in den Libanon zu verhindern. Denn der an den Golan angrenzende südliche Teil der Bekaa-Ebene ist anders als der Norden weitgehend sunnitisch bevölkert. Hier fürchtet Nasrallah ein Erstarken seiner innenpolitischen Gegner.

Angesichts dieser komplizierten Lage könnte es sein, dass sich Iran und die Hizbullah mit ihrer militärischen Reaktion zurückhalten. Nach israelischem Verständnis haben weder Iran noch die Hizbullah derzeit ein Interesse an einem größeren Krieg. Iran verhandelt mit dem Westen über sein Atomprogramm und will das Regime in Damaskus weiter an der Macht halten. Auch die Hizbullah, die im syrischen Bürgerkrieg auf Assads Seite mehr als 500 Kämpfer verloren hat, habe kein Interesse an einer neuen Front, vermutet zum Beispiel der frühere israelische nationale Sicherheitsberater Jacob Amidror. Trotzdem mehren sich in Israel besorgte Stimmen, die davor warnen, dass die jüngste Eskalation auf dem Golan eine gefährliche Eigendynamik entwickeln könnte, wie zuletzt im Sommer 2006. Damals hatte die Hizbullah nach der Entführung von drei israelischen Soldaten nicht mit einer massiven israelischen Reaktion gerechnet, die dann in einen wochenlangen, verlustreichen Krieg mündete.

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