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Israel und die Hamas : Kein Sieger in Nahost

Israel und die Hamas haben längst eingesehen, dass sie auch dieses Mal die andere Seite nicht besiegen können. Gesucht wird ein gesichtswahrender Ausweg. Aber aus eigener Kraft sind beide Seiten dazu nicht in der Lage.

          Die Eskalation in der jüngsten israelisch-palästinensischen Konfrontation gehorcht der alten Logik des Nahostkonflikts. Einem Angriff folgt die Vergeltung, dem wiederum ein Angriff folgt. Nach fast 2000 Angriffen und mehr als 160 Toten müssen sich Israel und die Hamas deshalb wieder einmal entscheiden: Was gibt es zu gewinnen, was zu verlieren? Gibt es etwas zu gewinnen, wenn sie so weitermachen wie in den vergangenen sechs Tagen?

          Dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und seinen Militärs ist klar, dass es einfacher ist, Soldaten nach Gaza zu schicken, als sie wieder heil nach Hause zu bringen. Ein Einmarsch in Gaza bedeutet, dass es zahlreiche israelische Tote gibt. Die Hamas und ihre Verbündeten sind in dem dichtbesiedelten Gebiet im Vorteil. Sie haben sich jahrelang darauf vorbereitet, den kleinen Küstenstreifen in einen riesigen Hinterhalt zu verwandeln.

          Bisher hat die Hamas jedoch ihre eigenen Möglichkeiten über- und die heftige israelische Reaktion unterschätzt. Ihre Ziele gingen so weit wie nie zuvor. Trotzdem gelang es weder den Flughafen in Tel Aviv, noch den Atomreaktor in Dimona zu treffen. Die Sympathien, die sich die Islamisten erobern konnten, stehen in keinem Verhältnis zu dem Preis, den sie dafür zahlen. Die Schäden und Verluste im Gazastreifen sind schon heute größer als nach der acht Tage dauernden israelischen Offensive im November 2012.

          Zudem mussten Hamas und Islamischer Dschihad feststellen, dass ihr Raketenhagel die israelische Bevölkerung nicht in lähmende Panik versetzte. Stattdessen wächst die Wut über palästinensischen Terror. Immer mehr Israelis verlangen, dass die Armee noch härter in Gaza durchgreift.

          Beide Konfliktparteien haben längst eingesehen, dass sie auch dieses Mal die andere Seite nicht besiegen können. Das erhöht die Bereitschaft, sich mit einem gesichtswahrenden Ausweg zu begnügen. Aus eigener Kraft sind sie nicht dazu in der Lage. Mögliche Vermittler in Ägypten, Qatar und Europa stehen ebenso bereit, wie der Plan für ein Ende der Gewalt: Grundlage wird die alte Waffenruhe aus dem Jahr 2012 sein. Sie sorgte für eineinhalb Jahre Ruhe in Gaza. Ohne eine politische Lösung des Nahostkonflikts wird auch die Haltbarkeit einer neuen Waffenruhe nur von ähnlich kurzer Dauer sein.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

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