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Israel : Scharon ordnet gezielte Vergeltungsschläge an

  • Aktualisiert am

Ariel Scharon Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Israel hat nach dem Selbstmordattentat von Netanja gezielte Angriffe gegen die radikale Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad angekündigt. Nach dem ersten Selbstmordanschlag seit mehr als vier Monaten ist am Morgen eine weitere Frau gestorben.

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          Nach dem Selbstmordanschlag palästinensischer Extremisten in Netanja hat die israelische Regierung gezielte Angriffe auf die Führer der Untergrundorganisation Islamischer Dschihad angeordnet. Er habe den Sicherheitskräften einen entsprechenden Auftrag erteilt, sagte Ministerpräsident Ariel Scharon am Mittwoch bei der Begrüßung von Einwanderern auf dem Flughafen Ben Gurion.

          „Wir werden nicht Ruhe geben, bis sie ihre terroristischen Mordtaten einstellen“, sagte Scharon. Die Streitkräfte sperrten am Mittwoch morgen bereits die Überänge vom Westjordanland und dem Gazastreifen nach Israel. Damit wurden Tausende von Palästinensern daran gehindert, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Außerdem besetzten israelische Truppen Tulkarem und übernahmen faktisch wieder die Kontrolle über die erst vor vier Monaten geräumte Stadt im Westjordanland.

          Zahl der Opfer steigt

          Die Zahl der Opfer des Selbstmordanschlags ist am Mittwoch weiter gestiegen. Israelische Medien berichteten, eine 50jährige Frau sei im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen. Neben dem Selbstmordattentäter, der sich am Dienstag vor einem Einkaufszentrum in die Luft gesprengt hatte, starben damit vier Frauen.

          Sprengstoffund gezielt gezündet: Die Armee durchsucht Tulkarem
          Sprengstoffund gezielt gezündet: Die Armee durchsucht Tulkarem : Bild: AP

          Bei einer Razzia wurde ein palästinensischer Polizist erschossen; fünf Aktivisten des Islamischen Dschihads wurden verhaftet. Der 18jährige Selbstmordattentäter kam aus Tulkarem und war Mitglied des Islamischen Dschihads. Mindestens 30 Menschen wurden bei dem Anschlag in Netanja verletzt, unter ihnen ein sechs Jahre altes Mädchen.

          „Vergeltung für das Selbstmordattentat“

          In Militärkreisen hieß es, der Einsatz sei die Vergeltung für das Selbstmordattentat gewesen. Augenzeugen berichteten, rund 20 Militärfahrzeuge seien am Morgen nach Tulkarem gefahren, das formell unter Aufsicht der palästinensischen Sicherheitsbehörde steht. Die Israelis hätten zuerst in die Luft und danach auf einen palästinensischen Sicherheitsposten geschossen. Dabei sei ein Polizist getötet worden, der die Israelis nicht provoziert habe. In israelischen Militärkreisen hieß es indes, die Soldaten hätten zurück geschossen, nachdem zwei Soldaten durch palästinensisches Feuer verletzt worden seien.

          Die palästinensische Autonomiebehörde verurteilte das Attentat. Israel warf der Autonomiebehörde vor, sie unternehme nichts gegen den Terrorismus. Die Vereinigten Staaten kritisierten den Anschlag scharf.

          Der Attentäter sei von mehreren Passanten am Betreten des Einkaufszentrums gehindert worden, berichtete der israelische Militärrundfunk unter Berufung auf Augenzeugen. Dennoch sei es ihm gelungen, den an seinem Körper angebrachten Sprengsatz im Eingangsbereich zu zünden. Das Hascharon-Einkaufszentrum war im Mai 2001 schon einmal Ziel eines Selbstmordanschlags. Es liegt rund 15 Kilometer von der so genannten „Grünen Linie“ entfernt, die Israel vom Westjordanland trennt.

          Abbas verurteilt „terroristischen Anschlag“

          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem „terroristischen Anschlag“ in Netanja. Die Urheber wollten die Anstrengungen für einen friedlichen Ablauf des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen untergraben, hieß es in einer in Ramallah veröffentlichten Erklärung. Die radikalen Palästinensergruppen hatten sich seit Januar weitgehend an eine informelle Waffenruhe mit Israel gehalten.

          „Wir verurteilen diesen bösartigen Akt auf das Schärfste“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, in Washington. Er forderte die Autonomiebehörde auf, die terroristischen Organisationen zu zerschlagen und Anschläge künftig zu unterbinden. Israel beschuldigte die Autonomiebehörde ebenfalls, nichts gegen den „Terrorismus“ zu unternehmen. Aus dem Büro von Ministerpräsident Scharon verlautete einem Fernsehbericht zufolge, Israel werde „mit harter Hand“ reagieren. Die israelische Armee rückte nach Tulkarem ein, der Heimatstadt des Selbstmordattentäters. Ein Vertrauter Scharons sagte, das Attentat gefährde die in den nächsten Tagen geplante Übergabe der Kontrolle über die Stadt Bethlehem an die Palästinenser. „Unter diesen Bedingungen“ werde die israelische Armee außerdem die Kontrolle über weitere Städte im Westjordanland nicht abgeben.

          Der letzte Selbstmordanschlag auf israelischem Boden liegt bereits mehrere Monate zurück: Ende Februar hatte sich ein radikaler Palästinenser vor einer Diskothek in Tel Aviv in die Luft gesprengt. Dabei waren außer dem Attentäter fünf Israelis ums Leben gekommen.

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