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Israel : Scharon in der Negev-Wüste beigesetzt

  • Aktualisiert am

Netanjahu bei seiner Trauerrede in Jerusalem Bild: dpa

Der frühere Ministerpräsident Scharon hat auf einem Hügel neben seinem Bauernhof die letzte Ruhe gefunden. Ministerpräsident Netanjahu würdigte ihn als einen „der größten Kämpfer des Volkes Israel“.

          Der frühere israelische Ministerpräsident Ariel Scharon ist am Montag auf einem Hügel neben seinem Bauernhof am Rande der Negev-Wüste beigesetzt worden. Die Beerdigung mit militärischen Ehren fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt, weil die Grabstätte nicht weit vom Gazastreifen entfernt liegt, von wo aus Terrorgruppen immer wieder Raketen auf das israelische Grenzgebiet abfeuern. Laut Presseberichten wurden ein zusätzliches Raketenabwehrsystem aufgestellt und die Hamas-Regierung in Gaza vor Angriffen gewarnt, wo Scharons Tod am Wochenende bejubelt worden war.

          Am Montagmorgen erwiesen die israelische Führung und ausländische Trauergäste dem am Samstag im Alter von 85 Jahren General und Politiker vor dem Parlament in Jerusalem mit einem Staatsakt die letzte Ehre. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte Scharon als einen „der größten Kämpfer des Volkes Israel und der israelischen Armee“. Er gestand ein, dass er mit ihm nicht immer einer Meinung gewesen sei.

          Scharon 2005 in einer Fernsehansprache zum Gaza-Abzug Bilderstrecke

          Weder Netanjahu noch Staatspräsident Schimon Peres gingen näher auf den in Israel mittlerweile umstrittenen Rückzug aus dem Gazastreifen ein, den Scharon im Jahr 2005 angeordnet hatte. Der amerikanische Vizepräsident Joe Biden sprach von einer „schweren und umstrittenen Entscheidung“. Scharon sei es in seinem ganzen Leben immer um die Sicherheit Israels gegangen.

          Vor allem wegen des Gaza-Abzugs wurde Scharon in Israel nach seinem Tod abermals kritisiert. Man müsse Gott dankbar sein, dass er verhindert habe, dass Scharon nach dem Gaza-Abzug eine weitere Tragödie unter den Siedlern im Westjordanland anrichtete, sagte die israelische Parlamentsabgeordnete Orit Struck von der nationalreligiösen Partei „Jüdisches Heim“. Später entschuldigte sich die Abgeordnete aus Hebron für ihre Äußerungen. Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch bedauerte es, dass Scharon für seine Mitverantwortung für das Massaker in den libanesischen Flüchtlingslagern von Sabra und Schatila im Jahr 1982 juristisch nicht zur Rechenschaft gezogen worden sei.

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertrat Deutschland bei der Trauerfeier. Abgesehen von der tschechischen Republik, die Ministerpräsident Jirí Rusnok entsandt hatte, war er der einzige europäische Außenminister. Ursprünglich wollte Steinmeier am Montag Israel und den Palästinensergebieten seinen Antrittsbesuch zu Beginn seiner zweiten Amtszeit abstatten. Israel ist das erste außereuropäische Land, in das Steinmeier flog. Die schon vor Scharons Tod geplante Reise bezeichnete er als „ein Bekenntnis zu den engen deutsch-israelischen Beziehungen“.

          Nach den Trauerfeiern traf er in Ramallah den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und in Jerusalem den israelischen Außenminister Avigdor Lieberman. Steinmeier forderte beide Seiten auf, die amerikanischen Vermittlungsbemühungen um eine Zwei-Staaten-Lösung zu unterstützen, für die es keine Alternative gebe. Die Palästinenser müssten diesen Weg entschieden mitgehen, den Israel nicht „durch Siedlungsbau und andere Aktivitäten“ erschweren sollte.

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