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Israel : Raketendrohungen per SMS

Raketen militanter Palästinenser auf dem Weg nach Israel Bild: AP

Die neuen Medien gehören mittlerweile zum erweiterten Kriegsgebiet im Kampf um die Weltmeinung. Die Hamas verschickt SMS auf israelische Handys und droht darin für den Fall einer Bodenoffensive mit „Raketen auf alle Städte“.

          Krieg macht kreativ. Selbst bei den Bildern, die aus Gaza kommen, überlässt das israelische Militär nichts dem Zufall. Im Internetportal „You Tube“, auf dem jeder der ganzen Welt seine privaten Filme zugänglich machen kann, sind seit Montag auch mehrere Videos aus Gaza zu sehen: Da tragen zum Beispiel angebliche Hamas-Kämpfer Raketen zu einem Lastwagen, bevor ein israelisches Kampfflugzeug auf sie zielt. Die neuen Medien gehörten mittlerweile zum erweiterten Kriegsgebiet im Kampf um die Weltmeinung, erläuterte dazu ein Militärsprecher in Tel Aviv.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aber auch die Hamas in Gaza überraschte am Donnerstagmorgen zahlreiche Israelis. Auf ihren Mobiltelefonen fanden sie Textbotschaften der Islamisten aus dem Gazastreifen vor. „Raketen auf alle Städte“ droht die Hamas den Israelis an, sollten sie die Militäraktion in Gaza weiter eskalieren lassen. Man habe noch mehr solcher Überraschungen auf Lager, teilte ein Hamas-Sprecher in Gaza mit.

          Keine Waffenruhe in Sicht

          Seit Tagen ringt die israelische Führung um die Entscheidung, ob den Luftangriffen die Bodenoffensive folgen soll, vor der die Hamas die Israelis per SMS warnt. Langsam wird das Wetter wieder besser, das die Militärplaner bisher davon abgehalten hatte. Aber die Politiker in Jerusalem sind sich weiterhin offenbar nicht einig, wie es weitergeht: Unklar und oft widersprüchlich sind die Signale, die von ihnen kommen.

          Nach einem Raketenangriff auf Aschdod südlich von Tel Aviv

          Man wolle den Konflikt mit der Hamas nicht in die Länge ziehen, sagte der amtierende Ministerpräsident Olmert am Donnerstag. Ein Armeesprecher stellte klar, dass es weder das Ziel sei, die Hamas zu stürzen, noch, den Gazastreifen wiederzubesetzen. Ein anderer sprach von einem kurzen, harten Schlag gegen die militanten Islamisten.

          Am Mittwoch hatte sich das „Sicherheitskabinett“, dem die Minister der Schlüsselressorts angehören, entschieden, den französischen Vorschlag abzulehnen, aus humanitären Gründen für zwei Tage die Waffen ruhen zu lassen. Schon am Donnerstag flog jedoch Außenministerin Livni nach Paris, um sich von Präsident Sarkozy seine Vorstellungen genauer erläutern zu lassen. Sarkozy selbst wird nach israelischen Presseberichten zu Wochenbeginn im Nahen Osten erwartet.

          Wahlkampf und Krieg beeinflussen einander

          Über eine befristete Waffenruhe war es im israelischen Kabinett in den vergangenen Tagen zu einem heftigen Streit zwischen Verteidigungsminister Barak und Außenministerin Livni gekommen. „Plaudertasche“ gehörte offenbar zu den freundlicheren Schimpfworten, die sie angesichts angeblicher Indiskretionen über die bevorstehende Militäraktion füreinander fanden.

          Im Wahlkampf lassen beide natürlich die Umfragen nicht aus dem Blick. Zipi Livni hofft, in den Parlamentswahlen im Februar Olmert an der Spitze der Regierung zu beerben. Barak, der die Arbeiterpartei führt, sieht in Gaza die Chance, etwas für sein Ansehen und das seiner Partei zu tun, die bisher auf eine schlimme Niederlage zusteuerte.

          Umfragen zeigen ihn auf keinem schlechten Weg: Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Befragung der israelischen Zeitung „Haaretz“ konnte die Arbeiterpartei fünf Parlamentssitze dazugewinnen, Baraks Beliebtheit steigerte sich um fast 20 Prozentpunkte.

          Diplomatische Bemühungen auf allen Kanälen

          Eine Mehrheit unterstützt die von Barak geführte Militäraktion und hält es für möglich, dass sie mit einem Erfolg endet. Anhaltspunkte dafür, wie das nach ihrer Ansicht geschehen soll, geben die Befragten den Politikern aber nicht: Nur jeweils 19 Prozent sind für eine Großoffensive der Bodentruppen oder eine baldige Waffenruhe mit der Hamas.

          Für den französischen Vorschlag hatte sich in einem Alleingang zunächst Barak erwärmen können: Er wollte damit während der Tage mit schlechten Wetter testen, wie ernst es die Hamas damit meinte. Ihn beeindruckte dabei nicht, dass Olmert, Livni, die Armee und die Geheimdienste dagegen waren. Olmert rief Barak, der selbst mit dem französischen Außenminister Kouchner telefoniert hatte, zu sich. Nach Medienberichten ließ er ihn sehr deutlich wissen, dass er sich als Verteidigungsminister nicht um politische Fragen zu kümmern habe.

          Die diplomatischen Kanäle blieben aber nicht nur nach Paris offen, wo unter den Europäern sich jetzt auch die neue tschechische EU-Ratspräsidentschaft einschaltete. In Jerusalem verfolgt man mit besonderem Interesse Vermittlungsbemühungen des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der gute Kontakte nach Syrien hat, wo sich die Exilführung der Hamas aufhält.

          Auch Ägypten und Qatar sowie die amerikanische Außenministerin Rice versuchen, eine weitere Eskalation zu verhindern. „Wir sind dabei, Angeln auszuwerfen, aber wir sehen noch keine Fische“, zitiert der israelische Internetdienst Ynet einen ungenannten Regierungsvertreter. Gleichzeitig seien die Streitkräfte aber für die „zweite Phase“ der Militäraktion gerüstet. Der Marschbefehl für die israelischen Soldaten ließ aber weiter auf sich warten.

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