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Israel : Befehlsverweigerer lösen Sturm der Entrüstung aus

Militäreinsatz nahe der Sperranlage im Westjordanland nahe Ramallah Bild: AFP

Die Armee will die Mitarbeiter einer Aufklärungseinheit bestrafen, die in einem offenen Brief eine teilweise Befehlsverweigerung angekündigt haben. In einem Gegenbrief zeigen sich Kameraden „schockiert und angewidert“.

          2 Min.

          Der Brief löste einen Sturm der Entrüstung aus. Nachdem 43 Reservisten einer Geheimdiensteinheit angekündigt hatten, sich künftig nicht mehr an Einsätzen zu beteiligen, die sich gegen palästinensische Zivilisten richten, ist in Israel eine heftige Debatte entbrannt. Die Soldaten aus der Sondereinheit „8200“ wollen nicht länger „ein Werkzeug sein, das die militärische Kontrolle der besetzten Gebiete vertieft“, hieß es in dem Brief der Verweigerer, der am Freitag bekannt geworden war. Am Sonntag verfassten 200 Kameraden einen Gegenbrief. „Schockiert und angewidert“ distanzierten sie sich darin von ihren Kameraden. Die hätten sich der „politischen Befehlsverweigerung“ schuldig gemacht und Lügen über ihre Einheit verbreitet. Die Autoren des Gegenbriefs schrieben, sie seien stolz darauf, bei „8200“ Dienst zu tun.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Kommentaren der auflagenstärksten Tageszeitung „Israel Hajom“ werden die Verweigerer als „verwöhnte“ junge Israelis bezeichnet. Hätte man sie ein paar Monate als Fußsoldaten an die Grenze zum Gazastreifen entsandt, statt sie an Computer zu setzen, wäre der Anteil der Verweigerer viel niedriger ausgefallen. Ein anderer Kommentator verdächtigt sie des Hochverrats und verlangt, gegen sie mit aller Härte vorzugehen.

          Der israelische Geheimdienstminister Juval Steinitz forderte am Sonntag, die Verweigerer vor Gericht zu stellen. Ein Armeesprecher kündigte rigorose disziplinarische Schritte an. Der Likud-Abgeordnete Jariv Levin warf den Verweigerern vor, in letzter Konsequenz „palästinensischen Terrorismus“ zu unterstützen, wenn sie nicht ihr Land verteidigen wollten. Die Armee müsse diese Reservisten sofort entlassen. Verteidigungsminister Mosche Jaalon nannte die Verweigerung eine „dumme und beleidigende“ Aktion, die denjenigen in die Hände spiele, die die Legitimität Israels und seiner Armee infrage stellten. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage.

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu lobte im Internet die Geheimdiensteinheit, der Israel viel zu verdanken habe. Oppositionsführer Itzhak Herzog von der Arbeiterpartei, der seinen Wehr- und Reservedienst beim Militärgeheimdienst geleistet hatte, kritisiert das Vorgehen der Reservisten, das Israel auch im Ausland schaden könnte. „Ich sage nicht, dass dort keine Fehler gemacht werden. Aber es gibt Wege, um diese intern aufzuzeigen und zu beseitigen“, sagte Herzog im Rundfunk.

          Die Zeitung „Jediot Ahronot“, die als erste am Freitag größer über den Brief berichtet hatte, forderte in einem Kommentar dazu auf, zwischen der Verweigerung und den von den Reservisten erhobenen Vorwürfen zu unterscheiden. Die Anschuldigungen sollten ernst genommen und von der Armee überprüft werden, schreibt der Geheimdienstfachmann Ronen Bergman.

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