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Israel : Arbeitspartei wählt Peretz statt Peres

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Der israelische Vize-Regierungschef Schimon Peres hat überraschend eine Abstimmung über den Vorsitz der Arbeitspartei verloren - gegen Gewerkschaftsführer Amir Peretz. Das Ergebnis stellt die Regierungskoalition in Frage.

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          Der Gewerkschaftsführer Amir Peretz hat in einer Urabstimmung der israelischen Arbeitspartei völlig überraschend über den favorisierten Schimon Peres triumphiert. Der 54jährige kündigte vor jubelnden Anhängern am Donnerstag morgen an, unter seiner Führung werde die Partei schon in den nächsten Tagen über die Fortsetzung der großen Koalition mit dem Likud-Block von Ministerpräsident Ariel Scharon entscheiden. „Wir werden uns zurückziehen, aus Verantwortung für die israelische Demokratie“ sagte er.

          Es sei aber noch zu früh, einen konkreten Termin zu nennen, fügte er hinzu. Die Haltung der Partei solle aber schnell festgelegt werden. Er wolle die Arbeiterpartei zu einer Alternative machen, „die in der nächsten Wahl an die Macht zurückkehrt“. Peres hatte die Partei in die Koalition geführt, um den im Likud-Block umstrittenen Abzug aus dem Gazastreifen durchzusetzen. Peretz hat erklärt, mit dem Abschluß des Rückzugs sei der Grund für dieses Bündnis entfallen. Peres hatte dagegen in der Koalition bis zur nächsten turnusmäßigen Wahl in genau einem Jahr weiter für Friedensinitiativen arbeiten wollen.

          Ende einer Ära in der Parteigeschichte

          Parteisprecher Eitan Cabel erklärte Peretz nach einem dramatischen Kopf-an-Kopf-Rennen zum Sieger der Wahl, die damit eine Ära in der Parteigeschichte beenden und einen politischen Umbruch in Israel auslösen könnte. Der 82jährige Peres hat in seiner sechs Jahrzehnten umfassenden politischen Laufbahn immer wieder die Rückkehr aus der politischen Wüste geschafft, die Niederlage gegen Peretz könnte diesmal aber das Ende seiner Karriere bedeuten, sagte der politische Analyst Hanan Crystal.

          Ende einer Ära: Schimon Peres
          Ende einer Ära: Schimon Peres : Bild: AP

          Die Abstimmung vom Mittwoch brachte statt des prognostizierten klaren Siegs für den Politik-Veteranen und Friedensnobelpreisträger ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen, in dessen Verlauf Peretz schließlich an Peres vorbeizog: Nach Auszählung fast aller Stimmen wurde sein Anteil mit 42 Prozent und der von Peres mit 40 Prozent angegeben. Ein dritter Kandidat, Binjamin Ben Elieser, kam auf weniger als 17 Prozent.

          Peres äußerte noch während der Auszählung am frühen Morgen einen Betrugsverdacht. Cabel kündigte aber an, die Partei werde dennoch im Lauf des Donnerstags das offizielle Endergebnis bekanntgeben. Das lief auf eine Zurückweisung des Betrugsvorwurfs hinaus.

          Peretz will eine Rückbesinnung der Arbeitspartei auf ihre sozialistischen Wurzeln. Sie müsse sich mehr den wirtschaftlichen Problemen und der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich widmen.

          Der im Ausland hoch angesehene Peres gilt in seiner eigenen Partei als ewiger Verlierer: Er unterlag in fünf Ministerpräsidentenwahlen. Ihm wird vorgeworfen, keinen Draht zum Wähler zu haben.

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