https://www.faz.net/-gpf-7wkvr

Islamistischer Terror : Unheiliger Krieg

So sehen sich die Dschihadisten selbst: Foto von einer ihrer Propagandaseiten im Internet Bild: AP

Der Westen muss der Propaganda des Todes der Islamisten etwas entgegensetzen und vor allem Haltung bewahren. Es gilt, den Krieg der Dschihadisten als unheilig zu enttarnen.

          Der Westen importiert Terror, aber er exportiert ihn auch. Die vielen meist jungen Männer, die sich hierzulande von einem fernen „Heiligen Krieg“ infizieren lassen, sind in der Regel in einer freiheitlichen Wohlstandsgesellschaft aufgewachsen. Umso erschreckender daher, dass sie auf archaische Rituale hereinfallen und sich berufen fühlen, unter dem Banner einer Religion gegen (unschuldige) Andersgläubige in die Schlacht zu ziehen. Da stehen Staaten, denen die Freiheit des Einzelnen wie die der Religionen viel wert sind, recht hilflos da. Prävention gegen einsame Radikale ist fast Glückssache, und vor einem Passentzug wird ein Dschihadist nicht zittern.

          Deshalb muss der Rechtsstaat dieser diffusen Bedrohung, die auch auf den irakischen und syrischen Schlachtfeldern nicht schnell besiegt werden kann, vor allem Selbstbewusstsein entgegensetzen. Das ist es ja gerade, was die Hassprediger verachten: dass wir angeblich an nichts glaubten und unsere eigenen Werte verrieten. Dabei kann man auf diese Werte nur stolz sein.

          Es ist eine Errungenschaft, über Religion auch Witze machen zu können, ohne staatliche Sanktionen oder Selbstjustiz fürchten zu müssen. Dazu gehört auch die Möglichkeit, dass wirklich jeder nach seiner Fasson glücklich werden kann. Dass deutschen Dschihadisten nicht die Staatsangehörigkeit entzogen wird, wenn sie sonst keine haben, drückt aus, dass niemand ganz fallengelassen wird, wie ja auch nach unserem Strafrecht keine Sanktion endgültig ist - es gibt immer einen Weg zurück in die Gesellschaft.

          Es gibt also keinen Grund, Angst zu haben. Der Satz der islamistischen Terroristen, sie würden den Tod lieben, ihre Gegner aber das Leben, verkennt, dass auch ein Christ den Tod nicht fürchten muss.

          Er kann aber der Propaganda des Todes etwas entgegensetzen. Das beginnt bei der Herrschaft über die Begriffe: Der „Islamische Staat“ ist kein Staat. Terroristen sind keine Kombattanten. Sie werden bekämpft und bestraft. Der Westen muss vor allem Haltung bewahren. Er muss den Krieg als unheilig enttarnen. Wer könnte das besser als jene, die an Körper und Seele verstümmelt aus Syrien oder dem Irak zurückkehren? Terror bedeutet Schrecken. Ob er erfolgreich ist, liegt also auch an jedem Einzelnen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Trumps Buhmann

          FAZ Plus Artikel: Fed-Präsident Jerome Powell : Trumps Buhmann

          Jerome Powell lenkt die mächtigste Zentralbank der Welt. Der Fed-Chef schlägt eine fast aussichtslose Schlacht – auch gegen seinen eigenen Präsidenten. Nun warten Anleger und Politiker in der ganzen Welt auf eine Rede von ihm.

          Topmeldungen

          Frühchen brauchen besonders intensive Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.

          Muttermilch-Spenden : Ein Milliliter Lebenskraft

          Fridolin und Jonathan sind viel zu früh geboren. Auf der Intensivstation kämpfen sich die Frühchen in diese Welt – auch dank gespendeter Muttermilch.

          Fußball in Italien : Der Großangriff auf Juventus Turin

          In den vergangenen acht Jahren gelang es keiner Mannschaft mehr, den italienischen Serienmeister Juventus zu entthronen. Nun schickt sich ein früherer Juve-Trainer an das zu ändern – und seine Chancen stehen nicht schlecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.