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Islamisten im Internet : Comic-Helden für Dschihadistenkinder

Den 11. September verherrlicht - mal wieder Bild: AFP

Das Internet ist eine beliebte Plattform militanter Islamisten. Hunderttausende Bastelanleitungen für Bomben schwirren durchs Netz. Inzwischen werden auch weibliche Kräfte rekrutiert - auch auf Niedlichkeit getrimmte Kinderseiten gibt es schon.

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          Im Computerspiel „Quest for Bush“ sind die Terroristen die „Guten“. Die amerikanischen Soldaten werden hier von ihnen in einen Hinterhalt gelockt. In der islamistischen Ausgabe des Internet-Spiels „Special Force“ sitzen die Soldaten aus dem Westen ebenfalls am kürzeren Hebel. Hier sind bärtige Dschihad-Kämpfer stets die Sieger. Radikale Islamisten und Terroristen nutzen das Internet zur Verbreitung ihrer Propaganda, als Spiele-Plattform, aber auch als Treffpunkt zur Diskussion und zur Vorbereitung von Straftaten.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Mit Videos, die erfolgreiche Terroranschläge, die Tötung Entführter - etwa die Enthauptung des amerikanischen Soldaten Nicolas Berg durch den Terroristen Zarqawi - zeigen, haben militante Islamisten neuen Maßstäbe in Sachen bildlich dokumentierte Grausamkeiten gesetzt. Den Gefallenen werden unterdessen im Netz virtuelle Gedenkstätten errichtet, wo man dank westlicher Bildbearbeitungsprogramme ihre Konterfeis, umrankt von Olivenzweigen, paradiesisch lächelnd abgebildet findet. Die Internetauftritte der Terroristen dienen auch propagandistischen Zielen, nämlich der Verbreitung von Besorgnis und Furcht bei den Gegnern.

          „Global Islamic Media Front“

          In Deutschland und Österreich hat in den vergangenen Jahren ein Ableger der „Global Islamic Media Front“ (GIMF) die Propaganda militanter Islamisten für den deutschsprachigen Markt aufbereitet. Die Verhaftung des Betreibers und seiner jungen Frau in Österreich war allerdings auch ein Beleg dafür, dass nicht hinter jedem bombastischen Internet-Auftritt eine große Organisation steht. Nun hat sich der deutsche GIMF-Ableger, die „Globale islamische Medienfront“, mit einem Neuen Video zurückgemeldet, in dem - wieder einmal - die Terroranschläge vom 11. September verherrlicht werden und Deutschland und Österreich gedroht wird.

          Neues Video aufgetaucht : Islamisten drohen Deutschland und Österreich

          Es gibt derweil auch auf Niedlichkeit getrimmte Internetauftritte, in denen Terrororganisationen schon bei Kindern für die Unterstützung ihrer mörderischen Brüder werben. Wie der israelische Kommunikationsforscher Gabriel Weimann bei einer Tagung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden erläuterte, zeigen dort Comic-Figuren und Darsteller in Kostümen mit Micky-Maus-Anmutung wie der Dschihad schon in den Kinderzimmern vorbereitet wird.

          Rosa eingefärbtes Rüstzeug für Terroranschläge

          Zunehmend stoßen Sicherheitsexperten auch auf spezielle Angebote für „Mudschahedina“ - für weibliche Kämpfer und Selbstmordattentäterinnen, die auf rosa eingefärbten Seiten das moralische und theoretische Rüstzeug für Anschläge ihrer selbst oder ihrer Kinder erhalten. Insgesamt hat sich nach den Worten Weimanns die Zahl der Internet-Auftritte mit terroristischem Hindergrund von 2003 bis 2007 auf 5800 mehr als verdoppelt. Das Internet dient der Werbung und Radikalisierung junger Muslime, wie etwa der späteren Kofferbomber von Köln, die dem Netz auch die Bauanleitungen für ihre Konstruktion entnahmen.

          Allerdings machten sie dabei Fehler, ebenso wie zwei junge Terroristen in Norwegen, die 2004 bei dem Versuch umkamen, mit Hilfe einer Internet-Anleitung eine Bombe zu basteln. Über vielen Seiten stünde deshalb, wie der „Spiegel“-Journalist Yassin Musharbash berichtet, die Warnung: „Dein erster Fehler könnte Dein letzter sein“. Zumal der Verdacht besteht, dass Geheimdienste die Bastel-Anleitungen manipulieren. Gleichwohl gibt es Beispiele, wo Baupläne für tatsächlich verübte Anschläge aus dem Internet kamen, etwa bei den Bomben auf die Vorortzüge in Madrid im März 2004 - 191 Tote.

          Ganze Handbücher zum Bau von radioaktiven Bomben

          Das Internet wird, nach den Worten Musharbashs, auch als „Fernuniversität und virtuelles Trainingscamp“ genutzt. Es sei allerdings eine sehr ungeordnete und führerlose „Universität“, reich an falschen und irreführenden Informationen. Hunderttausende Seiten mit Anleitungen zum Zerlegen und Zusammensetzen eines Kalaschnikow-Sturmgewehrs, zum Basteln und Plazieren einer Bombe, eines Selbstmordgürtels finden sich im Netz, jederzeit auch von deutschen Arbeitszimmern aufrufbar. Auch ganze Handbücher zum Bau von mit radioaktivem Material versehene Bomben, deren Nutzbarkeit allerdings zweifelhaft sei.

          Gleichwohl ermöglichen technisch orientierte Dschihad-Seiten wie „Al Battar“ oder „Technischer Dschihad“ offenbar auch die Aus- und Fortbildung der Kämpfer. Bedeutender bleibt aber die praktische Erfahrung. Im Irak ist es der amerikanischen Armee jedenfalls über Jahre nicht gelungen, den technischen Wettlauf gegen die Konstrukteure improvisierter Sprengladungen (IED) für sich zu gewinnen, die Hunderte ihrer Soldaten das Leben gekostet haben.

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