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Islamisten aus Deutschland : Unauffällig und schwer zu fassen

Cüneyt Ciftci alias „Ismail aus Ansbach” Bild: dpa

Cüneyt Ciftci alias „Ismail aus Ansbach“ war der erste in Deutschland geborene Selbstmordattentäter. Der deutsche Konvertit Eric Breininger will es ihm womöglich nachtun - die Behörden sind alarmiert. Ein Leitmotiv der deutschen Dschihadisten ist die Entfremdung von ihrer Umgebung.

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          „Ismail aus Ansbach“ machte den Anfang. Am Vormittag des 3. März 2008 sprengte sich Cüneyt Ciftci an einem amerikanischen Militärstützpunkt in Ostafghanistan in die Luft. Cüneyt Ciftci alias „Ismail aus Ansbach“ war der erste in Deutschland geborene Selbstmordattentäter.

          Christoph Ehrhardt
          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der deutsche Konvertit Eric Breininger, der in Propagandavideos mit umgeschnalltem Sturmgewehr seinen „Märtyrertod“ angekündigt hat, will es ihm womöglich nachtun. Die deutschen Sicherheitsbehörden sind daher alarmiert. Denn sie beobachten schon länger, dass sich die Gefährderszene diversifiziert, und warnen vor islamischen Terroristen aus Deutschland: Konvertiten seien unauffällig, im Besitz eines heimischen Passes und daher schwer auszumachen und zu fassen. Trotzdem kennen sie sich nach den Erkenntnissen der Ermittler mit den kulturellen Gegebenheiten in islamischen Ländern gut aus.

          Von der Umgebung entfremdet

          Schon lange bevor Anfang 2007 die Ermittlungen gegen die Sauerland-Gruppe – und damit gegen Konvertiten wie Fritz Gelowitz oder Daniel Schneider – begannen, waren deutsche Islamkonvertiten ins Visier der Behörden geraten. Anfangs spielt Erbauungsliteratur eine Rolle, bevor sie in einem weiteren Schritt radikalisiert werden. Islamismusfachleute in den Sicherheitsbehörden achten seit Jahren zunehmend auf Personen, die nach Aufenthalten in Saudi-Arabien – wo der puritanische wahhabitische Islam regiert – antiwestlich ideologisiert zurückkehrten. Besonders jene gelten als gefährlich, die in das salafistische Milieu geraten. Das ist eine ultrakonservative Strömung, die sich auf die „rechtschaffenen Vorfahren“, auf die erste Generation der Muslime um den Propheten Mohammed bezieht.

          Mit diesen Bildern sucht die Polizei Houssain Al Malla und Eric Breininger
          Mit diesen Bildern sucht die Polizei Houssain Al Malla und Eric Breininger : Bild: dpa

          Die Grenzen in die gewaltbereite Islamistenszene sind hier fließend, weil militante Salafisten Muslime, die einer weniger wörtlichen Auslegung der islamischen Schriften und Traditionen folgen, als Ungläubige und vogelfrei betrachten. Staatsschützer geben die Zahl gewaltbereiter Salafisten in Deutschland mit etwa 200 an - Tendenz steigend.

          Ein Leitmotiv der deutschen Dschihadisten ist wohl die Entfremdung von ihrer Umgebung. Beiträge in einschlägigen Internetforen zeugen von Entfremdung von der Familie, Freunden wie auch der Mehrheitsgesellschaft und ihrem Wertesystem. Dass sich in der deutschen Öffentlichkeit zunehmend ein Bild festsetzt, wonach der Islam und die westliche Welt im Kulturkampf aufeinanderprallen, macht den Übertritt zum Islam zur größten möglichen Abgrenzung. Der Westen erscheint samt seiner Werte und Kultur als unglaubwürdig und dekadent.

          „Dschihadismus-Popkultur“ im Internet

          Der Fall Cüneyt Ciftci hat derweil gezeigt, dass – anders als es unter dem Verweis aus den kemalistisch geprägten türkischem Islam lange hieß – auch die türkischen Muslime nicht mehr als immun gegen dschihadistische Propaganda gelten können. Die Zahl von radikalen islamistischen Schriften, die in türkischer Sprache verfasst werden, nimmt zu. Auch die dschihadistische Propaganda im Internet, die ihre Inhalte professionell für den deutschen Markt aufbereitet, wird, wie Terrorismusfachleute meinen, ihren Teil dazu beitragen, junge Menschen in Deutschland aufzustacheln.

          In den deutschen Sicherheitsbehörden ist inzwischen von einer „Dschihadismus-Popkultur“ im Internet die Rede. Nicht mehr nur die bekannten Dschihadistenforen im Internet und die Propagandaseiten sind im Visier der Ermittler – inzwischen sind es auch die sogenannten sozialen Netze im Internet, die sonst eine Plattform für Musiker oder Szenegänger sind. Das Video, in dem Eric Breininger seine Botschaft vom Heiligen Krieg verkündete, lief im beliebten Internetportal „Youtube“.

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