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Islamunterricht : Religiöse Grundversorgung im Klassenzimmer

  • -Aktualisiert am

Ohne Zugriffe aus Ankara: Islamischer Religionsunterricht in einer Grundschule in Bonn. Bild: Edgar Schoepal

Nordrhein-Westfallen will mit dem Islamunterricht jungen Muslimen eine Alternative zu Predigern in Hinterhof-Moscheen bieten. Um nicht von einzelnen Gruppen wie Ditib abhängig zu sein, hat Nordrhein-Westfalen einen Beirat eingesetzt – und erntet Lob.

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          Seit Jahren sind sich alle relevanten innen- und bildungspolitischen Akteure in den Ländern wie im Bund einig, dass es wichtig ist, den Islam-Unterricht für junge Muslime nicht Predigern in Hinterhof-Moscheen zu überlassen. Mit Unterricht nach klar definierten Lehrplänen unter Aufsicht der Schulbehörden soll auch Aufklärungsarbeit geleistet werden. Lediglich als Maßnahme gegen Radikalisierung darf Islamunterricht jedoch nicht verstanden werden. Vielmehr geht es im Kern um ein Grundrecht muslimischer Schüler.

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das Grundproblem für die Bundesländer ist, Kooperationspartner zu finden. Einer der wichtigsten Partner war und ist die „Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion“ (Ditib). Im politischen Diskurs gab es schon immer kritische Stimmen zur Ditib. Seit Präsident Erdogan nach dem gescheiterten Putsch noch rigoroser als bisher gegen seine Gegner vorgeht, wächst das Unbehagen. Rheinland-Pfalz hat nun Gespräche über den islamischen Religionsunterricht ausgesetzt, ihre Ampelkoalition wolle sich „ein umfassendes Bild über die neue Situation in der Türkei und die direkten Folgen für unser Zusammenleben in Rheinland-Pfalz verschaffen“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) Anfang August. Ähnlich äußerte sich der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), als er mitteilte, dass der unterschriftsreife Islamvertrag einstweilen auf Eis gelegt werde.

          In Nordrhein-Westfalen äußerte Oppositionsführer Armin Laschet (CDU) Zweifel daran, dass die Ditib in ihrer jetzigen Form eine Partnerin bleiben könne. Vielmehr müsse sie „sich völlig neu organisieren und auch unabhängig machen“. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ging auf Distanz zur Ditib. Sie sprach auch von „verstärkten Zweifeln“, dass die Ditib den Kriterien zur Einstufung als Religionsgemeinschaft entspreche. Zugleich betonte die Ministerpräsidentin, dass der Islamunterricht, an dem mittlerweile 16.100 Schüler in 200 nordrhein-westfälischen Schulen teilnehmen, durch die Vorgänge in der Türkei nicht gefährdet sei. Denn in ihrem Bundesland werde der bekenntnisorientierte Islamunterricht (befristet bis Ende 2018) mit Hilfe eines Beirats organisiert, in dem die Ditib nur einer von acht Partnern ist.

          „Es gilt da Konsensprinzip“

          Neben der Ditib entsendet auch der Islamrat, der Zentralrat der Muslime und der Verband der Islamischen Kulturzentren jeweils ein Mitglied in das Gremium. Vier weitere Mitglieder benennt das nordrhein-westfälische Schulministerium. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass kein Verband den Beirat, der an den Lehrplänen mitwirkt, dominieren kann. „Es gilt da Konsensprinzip“, sagt Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne).

          Das „Gesetz zur Einführung von islamischem Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach“ war Ende 2011 mit den Stimmen von SPD, Grünen und CDU im Landtag verabschiedet worden. Nordrhein-Westfalen führte damit als erstes Bundesland bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht ein. Zurecht hätten sich die drei Fraktionen entschieden, nicht abzuwarten „bis sich islamische Religionsgemeinschaften im Sinne des Staatskirchenrechts gebildet haben“, lobte die Schulministerin damals. Gemeinsam baue man stattdessen eine „Brücke“, setzte auf eine Übergangslösung, „ja, auf ein Provisorium“.

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