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Dschihadisten im Irak und in Syrien : Die Grenzen sind gesprengt

  • -Aktualisiert am

In Bagdad greifen Schiiten zu den Waffen und wollen sich Isis in den Weg stellen Bild: AP

Das Kriegsgeschehen im Nahen Osten hat endgültig alle Staatsgrenzen übersprungen. Die ganze Region gerät in Brand. Das liegt in der Natur eines Konfliktes, in dem Wahrheitsansprüche aufeinander prallen.

          Mit dem Auftreten der Isis-Terroristen als einer nichtstaatlichen, aber territorial verankerten Macht, die Gebiete in Syrien und im Irak beherrscht, hat das Kriegsgeschehen im Nahen Osten endgültig alle Grenzen übersprungen. Das gilt im traditionellen Sinn: Die noch in der Kolonialzeit gezogenen Staatsgrenzen sind keine Dämme mehr gegen die Ausbreitung von Konflikten; das Kampfgeschehen – von Syrien über den Libanon bis in den Irak – beginnt, die ganze Region in Brand zu setzen.

          Das liegt in der Natur eines Konfliktes, der einen konfessionellen Kern hat, also mit unversöhnlichen Ansprüchen auf absolute Wahrheit verbunden ist. Es ist nicht zu sehen, wie das angesichts der damit einhergehenden Rivalität zwischen den beiden potentiellen Hegemonialmächten Iran und Saudi-Arabien gestoppt werden könnte. In diesem Kampf gilt das Prinzip, dass „die Feinde meines Feindes meine Freunde“ sind, mit all den daraus gesetzmäßig folgenden Verwerfungen. Aufrufe zur Mäßigung oder Appelle an die Verantwortung der regionalen Akteure sind bei einer solchen Lage nur Ausdruck von Hilflosigkeit – aber wer weiß andere Hilfe?

          In einem übertragenen Sinn bringt der Vormarsch des Islamischen Staates auf Bagdad auch alte politische Fronten ins Wanken. Man kann etwa fragen, welche Folgen der plötzlich manifeste Gleichklang von Interessen zwischen Washington und Teheran zeitigen wird. So etwas hat es schon einmal gegeben, in Afghanistan, wo Amerikaner und Iraner gleichermaßen an der Bekämpfung (oder im Fall Teherans) wenigstens an der Eindämmung der radikal-sunnitischen Taliban interessiert waren.

          Eine Waffenbruderschaft ist daraus nicht geworden. Aber inoffizielle „Gesprächskanäle“ sind seither offen gehalten worden, auch in den Zeiten härtester Auseinandersetzungen über das iranische Nuklearprogramm. Darüber wird in Genf verhandelt, und nach ersten, eher symbolischen Erfolgen, sind die Gespräche ins Stocken geraten. Es wäre kein Wunder, wenn nun wieder Bewegung in die Sache käme. Wenn Israel besonders laut auf die iranische Gefahr hinweist, steht dahinter immer die Angst vor einer Annäherung zwischen dem Hauptfeind und seinem Hauptverbündeten.

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