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„Wir kommen wieder,
stärker und brutaler“

Von CHRISTOPH EHRHARDT und DANIEL PILAR (Fotos), Nordsyrien

06.12.2019 · Tausende IS-Kämpfer sitzen unter elenden Bedingungen in kurdischen Gefängnissen im Nordosten Syriens ein. Sie geben sich als Opfer – aber haben sie ihre radikale Weltsicht wirklich aufgegeben?

E Er sagt, er wäre lieber an der Front. Der massige Uniformierte, der sich als Hawal Robar vorstellt, lässt selten zu, dass seine Züge eine Gefühlsregung preisgeben. Aber jetzt verfinstert sich sein Blick. Der kurdische Milizionär kennt sich aus mit Krieg. Schon der Name, den er angibt, hat etwas soldatisches: Hawal heißt Kamerad. Er hat an vielen Fronten gegen den „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft. Sein jetziger Posten behagt Hawal Robar offenkundig nicht. Er ist mit der Leitung eines behelfsmäßigen Gefängnisses in Hassakeh beauftragt, in dem jetzt jene einsitzen, die seine Heimat mit Terror und Krieg überzogen haben. Er sei jetzt sogar für den Mörder eines engen Freundes verantwortlich. „Das war in Raqqa. Ich habe noch gesehen, wie er auf uns geschossen hat“, sagt Robar.


„Er weiß, dass ich ihn erkannt habe.“

Es sind nicht nur bittere Wendungen wie diese, die das Gefängnis im Nordosten Syriens zu einem Ort machen, der Beklemmung erzeugt. Es ist der Horror der Vergangenheit in Gestalt ausgezehrter Männer, die jetzt orangenfarbene Overalls tragen, wie man sie aus den Enthauptungsvideos der IS-Propaganda kennt. Vor allem aber ist es die Unsicherheit, die über dem Zweckbau liegt, in dem sich in besseren Zeiten Berufsschüler für die Zukunft rüsten sollten. Jetzt beherbergt die Anlage Todfeinde, die nicht wissen, was die nächsten Monate, Wochen, Tage bringen werden. „Wir sitzen auf einer Zeitbombe“, sagt Hawal Robar.

Insassen im Gefängnis für Anhänger des Islamischen Staates in Al Hassakeh, Syrien. Hier eine Zelle mit Kämpfern verschiedener Nationalitäten.
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