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Irans Nuklearprogramm : Misstrauen und Hoffnungen

  • -Aktualisiert am

Iran hat kein Interesse daran, sich weiter international zu isolieren. So muss man wohl den „Kurswechsel“ Teherans deuten. Dazu beigetragen haben kritischere Töne aus Moskau. Doch das iranische Nuklearprogramm gibt weiter Anlass zu Misstrauen.

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          Die Islamische Republik Iran hat kein Interesse daran, sich weiter international zu isolieren. So muss man wohl den „Kurswechsel“ in Teheran deuten, der seit den jüngsten, erfolgreich verlaufenen Gesprächen in Genf über das iranische Nuklearprogramm zu beobachten ist.

          Schon Ende dieses Monats werden Inspektoren der Internationalen Atomenergieagentur jene Aufarbeitungsanlage kontrollieren dürfen, die Iran bei Ghom betreibt. Das ist auch ein Erfolg des Leiters der Behörde, El Baradei, dem die iranische Regierung dies bei seiner Visite in der Hauptstadt zusicherte. Freilich hat Iran das Misstrauen der internationalen Gemeinschaft jüngst noch einmal dadurch verstärkt, dass es die Existenz dieser Anlage erst kürzlich bekanntgab. Kann man nun wirklich aufatmen?

          Kritischere Töne aus Moskau

          Möglicherweise ist in Teheran die Einsicht gereift, dass man bei einer Fortsetzung des bisherigen Kurses auch jene Unterstützer verlieren werde, die bisher weniger Neigung zu Sanktionen gezeigt hatten als Washington. Vor allem aus Moskau waren zuletzt kritischere Töne gegenüber Iran zu hören gewesen.

          Mit Befriedigung hat El Baradei nun aufgenommen, dass Iran sein nukleares Material aus dem Reaktor Natans in Frankreich und Russland weiter aufarbeiten lassen will. Dies ist ein alter Kompromissvorschlag des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, über dessen Verwirklichung bald Gespräche in Wien stattfinden sollen.

          Sollten sich die Dinge weiterhin in diese Richtung entwickeln, behielte El Baradei recht, der unbeirrbar an der Überzeugung festhielt, dass eine diplomatische Lösung des Konfliktes möglich sei. Diese Hoffnung beruht darauf, dass es in der iranischen Führung neben Dogmatikern auch Pragmatiker gibt.

          Misstrauen in Washington

          In den Vereinigten Staaten ist das Misstrauen gegenüber Teheran allerdings größer als in Europa. Nicht ohne Grund: Arbeitet Iran doch auch an der Entwicklung eines Arsenals weiterreichender Raketen.

          Es kommt nun darauf an, ob die Absprachen eingehalten werden und ihnen konkrete Schritte folgen. Dies würde den Hoffnungen, die an diesem Wochenende aufgekeimt sind, eine festere Grundlage verschaffen – insbesondere auch bei den arabischen Nachbarn Irans, die nie ein Hehl aus ihrer Furcht vor einer atomaren Bewaffnung der Islamischen Republik Iran gemacht haben.

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