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Irans Atomprogramm : Die Zeit läuft ab

  • -Aktualisiert am

Treffen in Berlin: Im Gespräch mit Außenminister Westerwelle (r.) unterstrich Barak die Wirksamkeit gezielter Luftangriffe auf Iran Bild: REUTERS

Israel stimmt seine Verbündeten in Washington und Berlin auf einen Angriff gegen Iran ein: Gezielte Luftangriffe könnten das Kernwaffenprogramm um drei bis vier Jahre zurückwerfen.

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          Was die Internationale Atomenergiebehörde über den vermutlichen Stand des iranischen Atomprogramms festgestellt hat, bestimmt die israelische Politik. Verteidigungsminister Barak hat sich bemüht, den Partnern in Washington und Berlin klarzumachen, dass sich Israels Optionsfächer wegen des erwarteten iranischen Schritts über die Kernwaffenschwelle in den kommenden zwölf Monaten schließen werde. Israel werde nicht bis zum letzten Moment abwarten, ob Sanktionen und Diplomatie eine Alternative zu einem Präventivschlag bieten.

          Barak hat insbesondere in Berlin betont, dass Luftangriffe auf ausgewählte Ziele wirksam seien und ein iranisches Kernwaffenprogramm um drei bis vier Jahre zurückwerfen würden. Er glaubt, dass die politischen Kollateralschäden in der arabisch-muslimischen Welt für den Westen „begrenzt“ wären. Barak wies darauf hin, dass je weiter die unterirdische Verbunkerung der Nuklearanlagen in den Bergen vorankomme, Israel um so mehr weichere Oberflächenziele angreifen müsste. Israel sei fähig und notfalls entschlossen, kritische Punkte in Irans industrieller und militärischer Infrastruktur zu zerstören.

          Hinter der Politik der Türkei stehen mehr Fragen als Antworten

          Die israelische Regierung scheint sich zum Präventivkrieg entschlossen zu haben für den Fall, dass spätestens nach den amerikanischen Wahlen im November aus Washington keine ultimative Drohung mit Gewalt gegen Teheran ausgesprochen werde. Israel traut den westlichen Partnern kein energisches Handeln mehr zu und glaubt, dass es am Ende auf sich allein gestellt bleibe.

          Dabei spielen auch die Lage im Libanon mit der iranisch-syrischen Aufrüstung der islamistischen Hizbullah und in Gaza die Unterstützung für die Hamas eine Rolle. Dazu kommt der syrische Bürgerkrieg, der für Israel die Gelegenheit zu einem Präventivschlag gegen Iran verbessert. Die „arabischen Rebellionen“ haben das Koordinatensystem der Region verschoben und Bündnis- wie Konfliktfragen neu gestellt. Das Fenster für eine Lösung durch militärisches Handeln Israels ist zwar nur einen Spalt geöffnet, doch es dürfte sich eher schließen, sollte die Opposition gegen Diktaturen und autoritäre Regime sich durchsetzen.

          Die wirklichen Interessen und Absichten externer Mächte im Blick auf das iranische Atomprogramm sind derzeit nicht zu klären: Es gibt keine festen Pläne oder auch nur Leitsätze in Washington, Berlin, Paris, London oder Brüssel; die russische Politik bleibt undurchsichtig; hinter der künftigen Israel- und Iranpolitik der Türkei stehen mehr Fragen als Antworten.

          Das bedeutet: Israel kann sich nur auf sich selbst verlassen und muss mit eigenen Mitteln handeln. Israel müsste Zeitpunkt und Ausmaß seines Handelns einschließlich der Zielauswahl in Iran selbst bestimmen, wenn eine Verständigung mit Amerika nicht gelänge oder unvollkommen bliebe. Israels Luftoperationen müssten sich auf der Angriffsroute um den 33. Breitengrad über eine Distanz von etwa 1350 Kilometern bis westlich der Stadt Hamadin in Iran auf direktem Luftweg über Jordanien und den Irak bewegen. Länger wäre der Weg entlang der jordanisch-saudisch-irakischen Grenze bis nach Kuweit und dann nach Norden in den Iran. Da die Türkei, Saudi-Arabien und der Irak politisch versperrt sind, blieben für Luftbetankung nur Kaspisches Meer, Südkaukasus, Schwarzes Meer und dann der Rückflug über Bulgarien und kurz über Ostgriechenland und die Ägäis.

          Das Spiel auf Zeit geht zu Ende

          Schwere Luftminen zur Durchdringung von Berggestein und Bunkern in Gebirgen sind das einzig sichere Mittel gegen einige der Nuklearziele in Iran. Fluggewicht, Flughöhe und Fluggeschwindigkeit bestimmen den Treibstoffverbrauch. Gegebenenfalls müssten die Flugzeuge zwei- oder dreimal aufgetankt werden. Damit wäre Israel auf die wohlwollende Neutralität Washingtons und dessen arabischer Klienten angewiesen, um mehrere Angriffswellen fliegen zu können.

          Diese Bedingungen sprechen für einen Präventivschlag, solange genügend nukleartechnische Ziele unverbunkert oder nur leicht geschützt angreifbar sind und bevor der Winter in der Bergregion Irans und der Türkei angebrochen ist. Über einen Frühjahrsangriff hatte der amerikanische Verteidigungsminister Panetta schon warnend gesprochen. Möglich bleibt ein Angriff im Herbst, politisch am ehesten Anfang November nach den Wahlen in Amerika. Die politische Botschaft der israelischen Regierung ist jedenfalls klar: Das Spiel auf Zeit mit Teheran geht zu Ende.

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