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Iran und Europa : Zurück in die Zukunft

  • -Aktualisiert am

Emmanuel Macron, Theresa May und Angela Merkel halten am Atomabkommen mit Teheran fest – und geraten zusehends unter Druck. Bild: EPA

Nach dem Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Iran-Deal wächst der Druck auf Europa von allen Seiten. Damit geht Trumps Strategie auf. Ein Kommentar.

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          Es war absehbar, dass Iran den Einsatz im Atomstreit erhöhen würde. Das Land ist von Trump unter Druck gesetzt worden, jetzt verstärkt es seinerseits den Druck auf die Europäer: Wenn ihr uns nicht gegen die amerikanischen Sanktionen helft, dann fahren wir unser Nuklearprogramm wieder hoch, lautet die Botschaft aus Teheran. Aber die Europäer können ihre Industrie letztlich nicht dazu zwingen, im Iran-Geschäft zu bleiben.

          Der Rückzug von Firmen wie der des französischen Autokonzerns PSA zeigt, dass den Unternehmen das Risiko zu hoch wird. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass Trumps Strategie aufgeht. Im Augenblick hat er nur bewirkt, dass die westlichen Verbündeten über Kreuz liegen und Iran sich daran macht, sein Atomprogramm wieder auszubauen.

          Von der langfristigen Lösung, an der Trump angeblich arbeiten wollte, ist bislang nichts zu sehen. So bleiben nicht mehr viele Optionen. Aus Israel sind schon wieder Drohungen mit einem Militärschlag zu hören. Das hatten wir alles schon mal – vor dem Atomabkommen.

           

          Nikolas Busse
          Verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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