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Iran und Amerika : Charme ist gut, Vertrauen ist besser

  • -Aktualisiert am

John Kerry und Dschawad Zarif bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Donnerstag in New York Bild: AP

Nach 34 Jahren Funkstille plaudern Amerikaner und Iraner miteinander, wie es gestählte Unterhändler noch nicht erlebt hatten. Westliche Diplomaten sind beschwingt und stimmen das Hohelied auf die Iran-Sanktionen an.

          Es sind neue Zeiten. Kurz nachdem der amerikanische Außenminister John Kerry im UN-Hauptquartier den „ganz anderen Ton und die ganz andere Zukunftsvision“ der neuen iranischen Führung gerühmt hat, genügt ein einziger Handgriff zur Justierung des Mikrofons, um das Terrain für Außenminister Dschawad Zarif zu bereiten. In den vergangenen Jahren hatte die iranische Delegation nach Atomgesprächen immer erst Fotos von iranischen Nuklearforschern aufgestellt, die von Israel oder der CIA liquidiert worden sein sollen, bevor Chefunterhändler Said Dschalili vor der Weltpresse zu Allah betete und auf Persisch über die Weltlage dozierte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Doch Dschalili hat krachend die Wahl verloren, und nun kommt der vom neuen Präsidenten Rohani mit den Verhandlungen betraute Zarif fröhlich winkend auf die Journalisten zu, macht eine lockere Bemerkung in bestem Englisch, bekundet Zufriedenheit und sagt schließlich einen Satz, der bisher der Gegenseite vorbehalten war: „Jetzt müssen wir schauen, ob wir unsere Taten mit unseren positiven Worten in Einklang bringen können.“

          Plaudern, wie es gestählte Unterhändler noch nicht erlebt haben

          Unmittelbar davor haben Kerry und Zarif Geschichte geschrieben. Als Zarif den Konferenzraum betrat, in den die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Außenminister der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands gebeten hatte, begrüßte ihn der Amerikaner genauso mit Handschlag, wie es alle anderen Männer in der Runde taten. Ashtons Chefdiplomatin Helga Schmid räumte ihren Platz neben Kerry für den Iraner, der sodann eine gute Viertelstunde lang Auskunft über Irans Interessen gab. Dass die Sanktionen seinem Land heftig zusetzen, verbarg Zarif nicht.

          Er kündigte zwar nicht konkret an, welche Schritte die Teheraner Regierung ergreifen möchte, um ihre Verhandlungsbereitschaft zu beweisen. Die in einem Berg nahe Ghom verborgene Anreicherungsanlage Fordo, deren sofortige Schließung für den Westen vordringlich ist, erwähnte er nicht einmal. Doch auf die Vorbehalte gegenüber der Urananreicherung auf 20 Prozent ging er kurz ein und wirkte auf Mitglieder der Sechsergruppe „überzeugend“ in seiner Bereitschaft, schnell zu Resultaten zu kommen. Am 15. Oktober soll in Genf wieder verhandelt werden. Frau Ashton forderte die Iraner auf, spätestens dann, aber am liebsten noch davor, einen substantiellen Vorschlag zu unterbreiten.

          Nachdem Zarif von Frau Ashton und den Außenministern in sieben Variationen zu hören bekommen hatte, dass nach den schönen Worten jetzt Taten fällig seien, begann der historische Teil des Abends. Nach einem Drehbuch, das Diplomaten beider Seiten in den vergangenen Tagen geschrieben hatten, fragte Kerry Zarif, ob sie sich nicht noch „ein wenig unterhalten“ wollten. Eine halbe Stunde lang berieten die beiden Minister allein in einem Nebenzimmer. Ihre Berater und Diplomaten blieben vor der Tür und plauderten miteinander, wie es gestählte westliche Atomunterhändler mit ihren iranischen Kollegen noch nicht erlebt hatten. Allen war klar: Das ist der erste formale iranisch-amerikanische Austausch auf Ministerebene seit der Revolution vor 34 Jahren.

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