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Iran und Amerika : Avancen aus Teheran

Irans neuer Präsident Rohani wirft ideologischen Ballast ab, der das Land lange nach unten gezogen hat. Wird er derjenige sein, der den Konflikt um das Atomprogramm entschärft und Iran aus der Isolation führt?

          Ausgerechnet Iran hellt im dritten Jahr der Arabellion das triste Bild auf, das der Nahe und Mittlere Osten gegenwärtig verbreiten. Der neue Präsident Hassan Rohani leugnet nicht den Holocaust; er gratuliert den Juden zu ihrem Neujahrsfest. Anders als sein Vorgänger Ahmadineschad geht er der Welt nicht auf die Nerven, sondern bietet staatsmännisch eine Zusammenarbeit an. Mit dem amerikanischen Präsidenten Obama tauscht er Briefe aus; in den vergangenen Tagen haben sie einander über Fernsehinterviews Botschaften zukommen lassen.

          Der Ton aus Teheran ist ein ganz anderer geworden, allmählich ist auch Substanz zu erkennen. Rohani wirft ideologischen Ballast ab, der das Land lange nach unten gezogen hat. Könnte Rohani sogar derjenige sein, der den Konflikt um das iranische Atomprogramm entschärft und Iran aus der Isolation führt?

          Schon richten sich Blicke auf den kommenden Dienstag, wenn Rohani und Obama am selben Tag vor der UN-Vollversammlung sprechen. Die erste Nagelprobe wird zwei Tage später in Wien stattfinden, wenn sich die Internationale Energieagentur wieder mit Iran beschäftigt und Iran dann „liefern“ muss. Dass dies geschieht, ist nicht auszuschließen. Schließlich ist Rohani, anders als sein Vorvorgänger, der Schöngeist Mohammad Chatami, in der Islamischen Republik fest verankert.

          Obama hat erkennen lassen, Rohanis Richtungswechsel zu „testen“. Das ist nicht nach dem Geschmack aller. Die arabischen Golfmonarchien fürchten einen sogenannten „Grand Bargain“ zwischen Washington und Teheran über ihre Köpfe hinweg; Israel, dem das Feindbild des aggressiven Ahmadineschad durchaus zupass kam, misstraut dem geschmeidigen Rohani.

          Iran will vor allem die Aufhebung der schmerzhaften Sanktionen erreichen und nicht länger Paria sein. Diesen Status wie die Sanktionen hat sich Iran mit seiner konfrontativen Politik „verdient“. Unter den Präsidenten Obama und Rohani besteht nun die Chance, die Eiszeit zu beenden, die mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern vor 34 Jahren begonnen hat. Das Misstrauen des Westens gegenüber Iran war und ist berechtigt. Sollte sich Iran unter Rohani aber nachweisbar verändern, dann sollte der Westen die Chance zu einem Frieden mit Teheran nicht verstreichen lassen. Die instabile Region würde das etwas beruhigen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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