https://www.faz.net/aktuell/politik/iran-erste-hinrichtung-im-zusammenhang-mit-protesten-18518785.html

Iran : Erste Hinrichtung im Zusammenhang mit Protesten

  • Aktualisiert am

Demonstranten Ende Oktober in Teheran Bild: dpa

Die Demonstranten in Iran haben sich auch durch zahlreiche Todesurteile nicht abschrecken lassen. Nun hat das Regime die erste Hinrichtung im Zusammenhang mit den Protesten vollstreckt.

          1 Min.

          In Iran ist erstmals ein Todesurteil im Zusammenhang mit den seit fast drei Monaten anhaltenden Protesten gegen die Führung in Teheran vollstreckt worden. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete, wurde am Donnerstag ein Mann hingerichtet, der Ende September bei einer Straßenblockade in Teheran ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Milizen verletzt haben soll.

          Mitte November waren die ersten Todesurteile bekannt geworden – gegen mehr als 20 Demonstranten. Trotzdem gingen die Proteste in Städten im ganzen Land weiter.

          Aus Protest haben zahlreiche Ladenbesitzer ihre Geschäfte schon seit Tagen geschlossen. Das berichteten am Mittwoch unter anderem Bewohner der Provinz Kurdistan. Der Staat hat in der Region schon ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften zusammengezogen. Auch gepanzerte Fahrzeuge sollen in den Kasernen stationiert worden sein.

          In der Hauptstadt Teheran gingen Sicherheitskräfte Augenzeugen zufolge am Mittwoch abermals mit Gewalt gegen Studierende vor. Bei den Studentenprotesten wurden einige Menschen verletzt und weitere festgenommen, wie Augenzeugen von der Amirkabir-Universität für Technologie berichteten. Videos in den sozialen Medien zeigten Proteste auch in anderen Teilen der Hauptstadt. Polizei, Milizen und Sicherheitskräfte waren mit einem massiven Aufgebot auf den Straßen. Trotz kaltem Winterwetter folgten vielerorts junge Frauen und Männer den landesweiten Aufrufen zu Protesten.

          Für Verwirrung sorgte eine Erdbebenwarnung am Nachmittag. Die mutmaßlich durch einen Hackerangriff ausgelöste Warnung forderte alle Empfänger auf, ihre Häuser zu verlassen. Von Behördenseite wurde später ein Hackerangriff dementiert, es soll sich um einen fehlgeschlagenen Warntest gehandelt haben.

          Präsident Ebrahim Raisi zeigte sich bei einem Treffen mit systemtreuen Studenten kämpferisch. Er erneuerte seine Behauptung, dass die USA die Proteste anheizten und Iran zerstören wollten. Beobachter sehen darin jedoch ein Manöver, um von den eigentlichen Ursachen der Proteste abzulenken.

          Auslöser der Proteste Mitte September war der Tod der iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Sie starb im Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen angeblichen Verstoßes gegen die islamischen Kleidungsvorschriften verhaftet worden war. Nach Einschätzungen von Menschenrechtlern wurden seither mindestens 470 Demonstranten getötet und rund 18.000 Menschen verhaftet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main.

          Index-Rückkehr : Die Commerzbank kommt für Linde in den Dax

          Mit einer Hauruck-Aktion erfüllt die Commerzbank auf den letzten Drücker noch die Dax-Kriterien. Sofern nichts Außergewöhnliches mehr dazwischenkommt, nähert sich für die Bank eine schmerzhafte Zeit dem Ende.
          Eine Gruppe freigelassener Kriegsgefangener im November 2022 an einem unbekannten Ort auf einem Handout-Foto des russischen Verteidigungsministeriums

          Kriegsgefangene auf Youtube : Fragen an den Feind

          Der Blogger Wolodymyr Solkin verhört auf seinem Youtube-Kanal russische Kriegsgefangene. Die Videos erreichen ein Millionenpublikum und sollen in Russland einen Wandel bewirken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.