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Iran/Amerika : Eine weltpolitische Räuberpistole

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Der iranische Attentatsplan klingt zu phantastisch, als dass er erfunden sein könnte. Die Amerikaner wollen mit seiner Veröffentlichung auch Russland und China unter Druck setzen, ihre Hilfestellung für ein Terrorregime aufzugeben.

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          Außenministerin Clinton ist Zweifeln an dem jüngsten Zwischenfall in den amerikanisch-iranischen Beziehungen offensiv entgegengetreten: Dass Kräfte in Teheran - die Rede ist von den Al-Quds-Spezialeinheiten, die zu den Revolutionsgarden gehören - bei einem mexikanischen Rauschgiftkartell einen Auftragskiller gedungen haben sollen, um den saudi-arabischen Botschafter in Washington zu ermorden, das klingt zu phantastisch, als dass es erfunden sein könnte. Offenbar gibt es jedenfalls einen glaubwürdigen Zeugen, und Washington hat seinen Verbündeten Informationen übermittelt, die diese ernst nehmen. Weitere Details dieser Räuberpistole werden sicherlich bald an die Öffentlichkeit gelangen.

          Es gibt wenig Zweifel daran, dass Teheran in Terroranschläge verwickelt ist, deren Ziel diplomatische Vertretungen anderer Staaten im Ausland waren oder sind. Sollte es den amerikanischen Sicherheitsbehörden dieses Mal gelungen sein, die Vorbereitungen für einen solchen Terrorakt hieb- und stichfest nachzuweisen, Iran also eines flagranten Verstoßes gegen internationales Recht zu überführen, so träten die Spannungen mit dem Mullah-Regime in ein neues Stadium der Eskalation. Denn es wäre damit nachgewiesen, dass sich Iran selbst aus der internationalen Gemeinschaft ausschließt.

          Sanktionen gelten nach wie vor als der beste Weg

          Das müsste dann auch Rückwirkungen auf den UN-Sicherheitsrat und dessen Befassung mit dem iranischen Nuklearprogramm haben. Den Staaten, die bisher verhindert haben, dass Teheran mit noch härteren Sanktionen bestraft wird, würde es schwerer fallen, Argumente für eine Fortsetzung ihrer Politik zu finden. Sanktionen gelten nach wie vor als der beste Weg, um Iran von seinem Streben nach der Bombe abzubringen - vor Militärschlägen haben nicht zuletzt amerikanische Generäle immer wieder gewarnt, weil deren Auswirkungen auf die Konfliktlage im Nahen und Mittleren Osten unvorhersehbar seien.

          Das wissen natürlich auch die Herrscher in Teheran. Vermutlich werden sie deshalb ihre über die Jahre bewährte Strategie beibehalten und versuchen, mit scheinbaren Zugeständnissen neue Verhandlungen zu beginnen - die dann wieder im Sande verlaufen. Die Amerikaner - auch so ist die Veröffentlichung der Anschlagspläne zu verstehen - wollen Russland und China unter Druck setzen, ihre Hilfestellung für ein Terrorregime aufzugeben.

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