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Kampf um Mossul : Jubelfeiern inmitten von Gefechtslärm

Erleichtert: Iraker in der Hauptstadt Bagdad feiern die Vertreibung des IS aus Mossul. Bild: EPA

Der Irak verkündet den Sieg über den IS in Mossul. Doch auch wenn die Terroristen bald vertrieben sein werden, droht der Stadt eine düstere Zukunft. Denn die Dschihadisten haben ein grausames Erbe hinterlassen.

          Als Haider al Abadi zur Siegesfeier in Mossul eintraf, hatten die Gefechte noch nicht aufgehört. Der irakische Ministerpräsident zeigte sich am Sonntag im Osten der Stadt, der schon zu Beginn des Jahres vollständig erobert worden war. Die Welt habe sich nicht vorstellen können, dass die Iraker in der Lage seien, den „Islamischen Staat“ (IS) zu besiegen, sagte er. „Dies ist ein Ergebnis des Einsatzes der heldenhaften Kämpfer, welche die Welt mit ihrem Mut beeindruckt haben.“ Seine Soldaten und Polizisten sangen und tanzten in den verwüsteten Straßen, obwohl die Schlacht noch nicht ganz geschlagen war. Eine große Ansprache zum Sieg in der nordirakischen Großstadt hielt Abadi am Sonntag denn auch nicht. Erst am Montagabend verkündete er die vollständige Befreiung der Stadt.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Der Besuch des Regierungschefs reihte sich ein in eine Folge von etwas verfrühten Erfolgsmeldungen. Immer wieder hatten Staatspresse, Militär oder Regierung den baldigen Sieg verkündet. Immer wieder hatten die IS-Kämpfer zurückgeschlagen und die Öffentlichkeit daran erinnert, dass ihre Vertreibung einen hohen Preis verlangt. Vor einigen Tagen schlugen sie mit Selbstmordattentätern in Vierteln zurück, die längst als erobert galten. Als sich die irakischen Streitkräfte Ende Juni der Al-Nuri-Moschee von Mossul näherten, sprengten die Dschihadisten sie in die Luft. Sie konnten so verhindern, dass Bagdad sie als Kulisse für symbolträchtige Jubelbilder nutzen konnte; schließlich hatte sich der IS-Anführer Abu Bakr al Bagdadi im Sommer 2014 in jener Moschee zum Kalifen erklärt. Beim Besuch Abadis mischten sich nun Musik und Jubelschreie mit Gefechtslärm.

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          Der militärische Sieg der Anti-IS-Koalition in Mossul steht indes nicht mehr in Frage. Und der Wunsch Bagdads nach einer die Moral stärkenden Siegesfeier ist nach einem langen erbitterten Abnutzungskampf verständlich. Etwa neun Monate dauert die Militärkampagne Wiedereroberung von Mossul schon an. Tausende wurden getötet, Hunderttausende vertrieben, ganze Straßenzüge wurden dem Erdboden gleichgemacht. Die anfängliche Hoffnung, es werde möglich sein, Mossul binnen weniger Monate zurückzuerobern, hat sich ebenso wenig erfüllt wie die Hoffnung, dass es gelingen könnte, die Zivilisten zu schonen. Der Ostteil der Stadt war weitgehend unversehrt geblieben – und die Streitkräfte hatten dafür einen hohen Blutzoll entrichtet. Der Westen Mossuls mit der Altstadt und den engen Gassen ist schwer von den Gefechten und Luftangriffen gezeichnet. Amerikanische Militärs haben die Schlacht um Mossul mit den Schlachten des Zweiten Weltkrieges verglichen – sie dauerte länger als die um Stalingrad. Manche irakische Soldaten bekämpfen den IS schon seit seinem Siegeszug vor gut drei Jahren.

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