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Irak : Washington rüstet auf

  • Aktualisiert am

Nächtliches Bombardement in Falludscha Bild: AP

Ursprünglich wollten die Amerikaner mit leicht bewaffneten Streitkräften zum Erfolg kommen. Der wochenlange Kampf gegen irakische Aufständische sorgt für eine Wende: Zusätzliches Kriegsmaterial ist unterwegs.

          2 Min.

          Im Irak wollen die Vereinigten Staaten weiter entschlossen gegen Aufständische vorgehen. Präsident George W. Bush kündigte am Mittwoch ein hartes Durchgreifen in der Stadt Falludscha an.

          Das amerikanische Verteidigungsministerium schickte zusätzliches Kriegsmaterial in das arabische Land. Die Panzer und gepanzerten Transportfahrzeuge sollten Eliteeinheiten in den Rebellenhochburgen westlich von Bagdad sowie in der Hauptstadt selbst unterstützen, sagte General John Sattler vom amerikanischen Zentralkommando in Katar. Am Abend griffen Kampfflugzeuge abermals Ziele in Falludscha an.

          Das zusätzliche Material sei auf dem Weg, sagte General John Sattler vom Zentralkommando. Angefordert hätten es die Befehlshaber der Marineinfanteristen, die die Widerstandshochburg Falludscha belagern, und der 1. Infanteriedivision in Tikrit, der Heimatstadt des früheren irakischen Machthabers Saddam Hussein. Rund zwei Dutzend Kampfpanzer vom Typ M-1 Abrams kommen nach Angaben von Pentagon-Vertretern per Schiff aus Deutschland.

          Festgenommene Iraker werden von amerikanischen Truppen abtransportiert

          Ursprünglich hätten sich die amerikanischen Militärs für eher leicht bewaffnete Streitkräfte entschieden, sagte Sattler. Die Sicherheitslage habe sich jedoch verändert, als die Truppen dann nach Irak gekommen seien. Nach einer neuen Einschätzung der Situation hätten die Befehlshaber deshalb nun schwerere Ausrüstung angefordert.

          Bush: „Unser Militär wird tun, was nötig ist“

          Bush sagte im Weißen Haus: „Unser Militär wird tun, was nötig ist, um Falludscha im Namen des irakischen Volkes sicher zu machen.“ Der Präsident bekräftigte, daß seine Regierung an den Plänen zur Machtübergabe am 30. Juni festhalte. Das Außenministerium begrüßte die Vorschläge des UN-Sonderbeauftragten für die Bildung einer Übergangsregierung im Irak. Die Vorschläge bildeten eine gute Basis, um eine souveräne Übergangsregierung zusammenstellen, die Ende Juni die Regierungsgewalt übernehmen soll, sagte Außenamtssprecher Adam Ereli.

          Deutschland und Spanien wollen gemeinsam mit Frankreich bei der Ausarbeitung einer neuen Irak-Resolution im UN-Sicherheitsrat aktiv werden. Das kündigten Bundeskanzler Gerhard Schröder und der neue spanische Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero in Berlin an. Zapatero sagte, Ziel einer solchen Initiative müsse sein, möglichst rasch die volle irakische Souveränität wiederherzustellen. Über die konkreten Schritte gebe es intensive Gespräche mit europäischen Verbündeten, aber auch mit den Vereinigten Staaten.

          Mehrheit der Iraker für einen Abzug

          In Falludscha flammten die Kämpfe wieder auf. Augenzeugen berichteten, daß bei amerikanischen Luftangriffen Munitionslager der Aufständischen getroffen und explodiert seien. Flammen und Rauch stiegen in den Nachthimmel auf. Nach Informationen des amerikanischen Nachrichtensenders CNN handelte es sich jedoch noch nicht um den lang angedrohten Sturm auf die 300.000 Einwohner zählende Stadt. Nach den Worten von General Sattler haben sich in Falludscha rund 1500 Aufständische verschanzt.

          Eine Mehrheit von 57 Prozent der Iraker befürwortet einen raschen Abzug der von den Vereinigten Staaten geführten alliierten Truppen. Das geht aus einer gemeinsamen Umfrage von CNN, der Tageszeitung „USA Today“ und des Gallup-Meinungsforschungsinstitutes hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Danach halten 71 Prozent der Iraker die alliierten Truppen für Besatzer. Dennoch sind 61 Prozent der Iraker der Meinung, daß der Sturz des früheren Diktators Saddam Hussein alle Schwierigkeiten und Härten rechtfertige.

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