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Irak : Truppenabzug noch in diesem Jahr?

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Amerikas Verteidigungsminister Robert Gates Bild: dpa

Noch im Januar hatte der amerikanische Verteidigungsminister erklärt, zusätzliche Truppen müssten für Monate, wenn nicht Jahre in den Irak geschickt werden. Das sieht er nun anders. Unterdessen belastet die Entführung eines iranischen Diplomaten das Verhältnis von Washington und Teheran.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates hält einen Beginn des Abzugs der amerikanischen Truppen aus dem Irak noch vor dem Ende des Jahres für möglich. Gates erklärte am Dienstag vor dem Streitkräfteausschuss des Senats, die geplante Sicherheitsoffensive, für die zusätzliche 21.500 Soldaten nach Bagdad verlegt werden, sei „nicht die letzte Chance“ für den Irak.

          Skizzenhaft umriss Gates vor den Senatoren, unter welchen Umständen die Vereinigten Staaten noch in diesem Jahr mit dem Abzug beginnen könnten. Voraussetzung sei, dass es gelinge Bagdad zu befrieden und dass die Iraker weitere eigene Truppen bereitstellten sowie ihre internen Streitigkeiten beilegten, sagte Gates.

          Im vergangenen Monat hatte er noch erklärt, zusätzliche Truppen müssten für Monate, wenn nicht Jahre in den Irak geschickt werden. Der scheidende Kommandeur der amerikanischen Truppen im Irak, General George Casey, erklärte hingegen, er hoffe, dass die jetzt entsandte Truppenverstärkung schon Ende des Sommers wieder nach Hause könne.

          Entführungsfall belastet Beziehungen zu Iran

          Der Vorsitzende der Generalstabschefs, Peter Pace, erklärte, innerhalb eines Jahres habe sich die Zahl der aus Munition gebauten Bomben am Straßenrand, die gegen die Truppen eingesetzt würden, verdoppelt. Darunter seien auch noch tödlichere Sprengsätze, die aus Iran kämen, sagte Pace.

          Derzeit belastet die Entführung eines iranischen Diplomaten in Bagdad die ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran noch weiter. Zu dem Vorfall selbst gab es am Dienstag widersprüchliche Angaben. Die amerikanischen Streitkräfte im Irak wiesen jede Beteiligung an der Entführung des Zweiten Botschaftssekretärs Dschalal Scharafi zurück, Iran machte die Vereinigten Staaten aber für das Leben des Diplomaten verantwortlich.

          Amerika unterstellt oder nicht

          Bewaffnete Männer in Uniformen der irakischen Armee hatten am Sonntag mitten in Bagdad den Wagen des Botschaftssekretärs gestoppt und diesen dann mitgenommen, wie ein Sprecher der iranischen Vertretung am Dienstag mitteilte. In der Annahme, dass es sich um eine Entführung handelte, schossen irakische Polizisten auf die Täter und nahmen mehrere von ihnen fest. Am Montag seien sie aber wieder freigelassen worden, sagte ein Regierungssprecher in Bagdad.

          Ein irakischer Regierungsbeamter teilte mit, der Diplomat sei von Angehörigen einer irakischen Spezialeinheit festgenommen worden, die direkt den amerikanischen Streitkräften unterstehe. Der amerikanische Militärsprecher Christopher Garver wies dies jedoch zurück und erklärte, an dem Vorfall sei keine Einheit beteiligt gewesen, die von den Vereinigten Staaten kommandiert werde. Im Januar hatte Präsident George W. Bush die Truppen im Irak ermächtigt, iranische Agenten bei Hinweisen auf eine Verwicklung in Gewalttaten entweder festzunehmen oder zu töten.

          Vorbereitung für Offensive kommt nur langsam voran

          Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Mohammed Ali Hosseini, verurteilte das Vorgehen gegen den Botschaftssekretär als „aggressiven Akt und Verletzung des Völkerrechts“.

          Die irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki räumte unterdessen ein, dass die Vorbereitungen für die geplante große Sicherheitsoffensive in Bagdad nur langsam vorankommen. Diese Verspätung verbreite eine negative Botschaft, sagte Maliki. Aufständische haben in jüngster Zeit ihre Angriffe noch intensiviert und dabei hunderte Menschen getötet. Auch am Dienstag wurden wieder mindestens 25 Opfer der Gewalt in Bagdad.

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