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Irak : Tote bei neuem Anschlag im Irak

  • Aktualisiert am

Zivilverwalter Bremer hofft offenbar auf UNO-Hilfe Bild: EPA

Bei einem Bombenanschlag auf ein amerikanisches Panzerfahrzeug nördlich von Bagdad sind am Samstag drei amerikanische Soldaten und zwei irakische Sicherheitskräfte getötet worden. Zivilverwalter Bremer will die UNO um Hilfe bitten.

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          Im Irak hat es am Samstag erneut einen Angriff auf die amerikanischen Besatzungstruppen gegeben, bei dem drei Soldaten und zwei Iraker getötet worden. Ein amerikanischer Militärsprecher sagte, nördlich von Bagdad sei eine Bombe am Straßenrand neben einem „Bradley"-Schützenpanzer explodiert. Zwei weitere amerikanische Soldaten seien verletzt worden.

          Die Vereinigten Staaten schließen unterdessen nach irakischen Massendemonstrationen für eine baldige Direktwahl im Irak Änderungen an ihrem Plan zur Machtübergabe nicht mehr aus.

          Der Anschlag am Samstag ereignete sich dem Militärsprecher zufolge etwa 30 Kilometer nördlich von Bagdad nahe der Stadt Tadschi. Der Schützenpanzer habe sich auf einer Patrouille befunden. In der Nähe seien später drei Männer festgenommen worden, weil in ihrem Lastwagen Material zum Bau von Bomben gefunden worden sei.

          Zahl der getöten amerikanischen Soldaten steigt auf 500

          Zudem sei ein Soldat am Samstag seinen Schußverletzungen erlegen, die er am Freitag ohne Feindeinwirkung erlitten habe, teilte das amerikanische Militär mit. Mit den neuen Todesfällen stieg die Zahl der im Irak ums Leben gekommenen amerikanischen Soldaten seit dem Beginn des Kriegs auf 500. Davon starben 346 durch Kampfhandlungen. Seit dem von Präsident George W. Bush ausgerufenen Ende der Hauptkampfhandlungen Anfang Mai sind fast täglich Angriffe gegen die Truppen geführt worden. Die Vereinigten Staaten machen dafür Anhänger des gestürzten und festgenommen irakischen Präsidenten Saddam Hussein sowie islamische Extremisten aus dem Ausland verantwortlich.

          Nach einem Gespräch zwischen Bush und dem Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer, über die Machtübergabe im Irak sagte ein Sprecher des Präsidialamts am Freitag in Washington: „Wir sind bereit, Verfeinerungen oder Verbesserungen zu besprechen.“ Bremer sagte, man wolle aber am Zeitplan festhalten. Der sieht vor, daß bis Ende Juni regional nach Gruppen ausgewählte Vertreter die Übergangsregierung bestimmen.

          Zehntausende Demonstranten hatten am Donnerstag im südirakischen Basra die direkte Wahl einer souveränen Regierung innerhalb von drei Monaten gefordert. Die Demonstranten unterstützten damit die Forderung des einflußreichen schiitischen Geistlichen Ajatollah Ali el Sistani, der den amerikanischen Plan ablehnt. Er fordert allgemeine Wahlen. Die Vereinigten Staaten haben erklärt, der Irak sei dazu noch nicht bereit. Der irakische Regierende Rat hat gewarnt, allgemeine Wahlen könnten die Machtübergabe verzögern.

          Gesprächstermin mit Annan geplant

          Bremer soll sich am Montag mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan treffen. Beobachter erwarten, daß Bremer Annan darum bitten wird, ein UNO-Team in den Irak zu entsenden, um einen Kompromiß bei dem Streit herauszuarbeiten.

          Die Vereinigten Staaten hatten sich zunächst einer stärkeren Beteiligung der UNO widersetzt. Annan hatte nach zwei Anschlägen das UNO-Personal aus dem Irak abgezogen und erklärt, eine Rückkehr komme nur dann in Frage, wenn die UNO im Irak eine Rolle spielen könne, die den Risiken entspreche, die sie auf sich nehme.

          Großauftrag für Halliburton im Irak

          Das Pionierkorps der amerikanischen Armee teilte am Freitag mit, Kellogg Brown und Root (KBR), eine Tochterfirma des US-Ölkonzerns Halliburton, habe den Zuschlag für die Reparatur von Ölförderanlagen im Süden des Irak erhalten. Der Auftrag im Wert von bis zu 1,2 Milliarden Dollar sei nach Wettbewerbsgesichtspunkten vergeben worden. Der Auftragsvergabe war eine Kontroverse um das Finanzgebaren der KBR vorausgegangen. Sie hatte im März 2003 bereits einen ersten Milliardenauftrag zum Wiederaufbau der irakischen Ölindustrie erhalten - allerdings ohne vorherige Ausschreibung.

          Cheney war früher Chef von Halliburton. Die Opposition im Kongreß hat kritisiert, daß bei der Vergabe mehrerer Aufträge für den Wiederaufbau der irakischen Ölindustrie an den Konzern enge Beziehungen Cheneys zu Halliburton eine Rolle gespielt hätten. Halliburton-Chef Dave Lesar wertete den nunmehr vergebenen Auftrag der amerikanischen Armee als Bestätigung für die mutige Arbeit, die die Halliburton-Mitarbeiter im Irak geleistet hätten.

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