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Irak : Rakete oder Selbstmordanschlag - FBI ermittelt in Mossul

  • Aktualisiert am

Ein verletzter amerikanischer Soldat auf dem Stützpunkt Ramstein Bild: AP

Nach einem der blutigsten Anschläge auf die amerikanische Armee seit Beginn des Irak-Krieges sind die Hintergründe immer noch ungeklärt. Viele der Verletzten sind zur Behandlung in Deutschland eingetroffen.

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          Nach dem verheerenden Anschlag auf einen Militärstützpunkt in Mossul haben die amerikanischen Streitkräfte mehrere Brücken und Straßen der nordirakischen Stadt gesperrt. Begleitet von Schützenpanzern zogen hunderte Soldaten durch mehrere Viertel, um die Verantwortlichen aufzuspüren. Militärhubschrauber flogen dicht über den Dächern, am Himmel kreisten Kampfjets.

          Zwar wurde kein Ausgehverbot verhängt, dennoch waren kaum Einheimische auf den Straßen zu sehen. Die Schulen blieben geschlossen. Der Anschlag vom Dienstag hatte 22 Menschen das Leben gekostet, 69 weitere wurden verletzt. Über den genauen Tathergang herrschte weiter Unklarheit. Nach ersten Angaben wurde das Zelt, in dem die Soldaten und Zivilangestellten des Stützpunkts ihr Essen einnahmen, am Dienstag von einer Rakete getroffen. Die islamistische Gruppe Ansar-al-Sunna-Armee, die sich zu der Tat bekannte, erklärte dagegen, ein Selbstmordattentäter habe sich auf dem Stützpunkt in die Luft gesprengt. Es war einer der blutigsten Anschläge auf die amerikanische Armee seit Beginn des Krieges. Das amerikanische Bundeskriminalamt FBI hat auf dem Stützpunkt Ermittlungen aufgenommen.

          42 verletzte Soldaten in Deutschland

          Einen Tag nach dem schweren Anschlag sind Dutzende verletzte Soldaten zur medizinischen Versorgung in Deutschland eingetroffen. Die Soldaten wurden am Mittwoch vom amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein zum Militärkrankenhaus in Landstuhl bei Frankfurt am Main gebracht werden, wie eine Armeesprecherin mitteilte. Von den 42 nach Ramstein gebrachten Verletzten schwebten nach ihren Angaben acht in Lebensgefahr. Die Ärzte wollten am Donnerstag ein erstes Bulletin zum Zustand der Opfer veröffentlichen, sagte die Sprecherin weiter.

          Bild: dpa

          Bei einer Schießerei in Nadschaf wurden am Mittwoch ein Aufständischer und ein Polizist getötet. Sicherheitskräfte stürmten am frühen Morgen ein Wohnhaus, wie die Polizei mitteilte. Vier mutmaßliche Rebellen seien festgenommen worden. Eine Explosion in der den Schiiten heiligen Stadt hatte am Sonntag 54 Menschen das Leben gekostet, mehr als 140 waren verwundet worden.

          Der polnische Ministerpräsident Marek Belka traf unterdessen zu einer überraschenden Visite im Irak ein. Der Regierungschef besuchte das Hauptquartier der von Polen kommandierten internationalen Truppe für den Zentralirak in Diwanija, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete. Es gab auch ein gemeinsames Weihnachtsessen mit den polnischen Soldaten.

          Neue Dokumente über Mißhandlungen im Irak

          In Washington wurden neue Fälle von Mißhandlungen irakischer Gefangener durch amerikanische Soldaten bekannt. Nach Angaben der amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung ACLU geht aus internen Unterlagen der Streitkräfte hervor, daß mehr Häftlinge als bislang bekannt unter verdächtigen Umständen zu Tode kamen. So werde gegen einen Unteroffizier ermittelt, der einem Gefangenen eine Schußwaffe geben wollte, um so einen Tötungsvorwand zu provozieren. Der Unteroffizier soll seinen Soldaten gesagt haben: „Erschießt ihn, wenn er nach der Waffe greift!“ Der Gefangene, ein irakischer Museumsaufseher, weigerte sich jedoch, die Waffe zu nehmen. Regierungssprecher Scott McClellan erklärte, daß alle Berichte von Übergriffen im Irak umfassend untersucht würden.

          Die amerikanische Armee hat nach einem Bericht der „Washington Post“ im Irak bisher weit weniger Sicherheitskräfte ausgebildet als erwartet. So hätten Anfang Dezember einem Soll von 27.000 Soldaten lediglich 3428 ausgebildete oder trainierte Soldaten gegenübergestanden, schreibt das Blatt am Mittwoch unter Berufung auf entsprechende Zahlen aus dem Pentagon. Statt der erforderlichen 135.000 Polizeioffiziere und Polizisten gebe es nur 50.798 ausgebildete Kräfte.

          Unterdessen kehrte das Bundeswehrkontingent, das irakische Soldaten in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausgebildet hatte, nach Deutschland zurück. Die 30 Soldaten landeten am Mittwoch morgen in Frankfurt am Main. Die hauptsächlich aus Fahrlehrern und Technikern bestehende Einheit hatte im Rahmen der Militärhilfe für die neuen irakischen Streitkräfte einen Monat lang Kraftfahrer, Mechaniker und Elektriker an Lastwagen ausgebildet.

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