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Irak : Polen übernimmt symbolisch Besatzungszone

  • Aktualisiert am

Polnische Soldaten im Irak Bild: dpa/dpaweb

Polen hat am Mittwoch offiziell die Kontrolle über einen Militärabschnitt in Irak übernommen, der unter anderem die heilige Stadt Nadschaf umfaßt, wo es am vergangenen Freitag zum schweren Anschlag auf Ayatollah Al-Hakim kam.

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          Polen hat am Mittwoch offiziell die Kontrolle über einen Militärabschnitt in Mittel- und Südirak übernommen, der unter anderem die heilige Stadt Nadschaf umfaßt. Die Übernahme war zunächst jedoch nur symbolisch, da die amerikanischen Marineinfanteristen nach dem Anschlag von Nadschaf zunächst noch in dem Sektor bleiben wollten, wie der polnische Militärsprecher Andrzej Wiatrowksi mitteilte.

          Angesichts der angespannten Lage in Irak erwägt das Weiße Haus uterdessen eine stärkere Einbeziehung der Vereinten Nationen. Die tatsächliche Übergabe der Patrouillen in Nadschaf an eine 9.500 Mann starke internationale Truppe unter polnischer Führung wurde laut Wiatrowksi auf den 21. September verschoben. Ein Grund dafür sei auch, daß die Vorbereitung der polnischen Soldaten noch nicht abschlossen sei.

          Symbolischen Übergabezeremonie

          Polen hat 2.400 Soldaten nach Irak entsandt, die dort zusammen mit ukrainischen, spanischen und anderen Truppen den 80.000 Quadratkilometer großen Sektor um die heilige Stadt Nadschaf sichern sollen. Der amerikanische Kommandeur im Irak, General Ricardo Sanchez, sagte während einer symbolischen Übergabezeremonie in Nadschaf, der Schritt zeige, daß die Besatzung in Irak von der breiten Basis einer Koalition aus 30 Staaten getragen werde.

          Bei dem Anschlag in Nadschaf waren am Freitag 100 Menschen getötet worden, darunter der schiitische Geistliche Ajatollah Mohammed Bakir el Hakim. Wie aus ranghohen amerikanischen Regierungskreisen verlautete, will Washington die UN bitten, die Streitmacht im Irak in eine multinationale Truppe umzuwandeln und eine führende Rolle bei der Bildung einer irakischen Regierung zu übernehmen. Über den genauen Umfang wurde zunächst nichts mitgeteilt. Präsident George W. Bush habe sich am Dienstag zu vorbereitenden Gesprächen mit Außenminister Colin Powell getroffen, hieß es in Washington.

          Washington hofft auf türkische Beteiligung

          Die Vereinigten Staaten hoffen, daß sie die dringend benötigte Unterstützung anderer Nationen in Irak erhält, wenn den Vereinten Nationen eine größere Rolle als bisher zugewiesen wird. Ranghohe amerikanische Regierungsbeamte äußerten die Erwartung, dass Washington schon in den kommenden Tagen intensiv hinter den Kulissen über einen entsprechenden UN-Resolutionstext verhandeln werde.

          Washington äußerte Hoffnung auf eine türkische Beteiligung an der multinationalen Truppe in Irak. Eine Stationierung türkischer Soldaten würde er begrüßen, sagte der Kommandeur der amerikanischen Truppen in Europa, General James Jones, am Mittwoch während eines Besuchs in Ankara. Der türkische Außenminister Abdullah Gül hatte in der vergangenen Woche eine Entsendung von bis zu 10.000 Soldaten in Aussicht gestellt. Dafür ist jedoch noch die Zustimmung des Parlaments notwendig.

          Die UN-Waffeninspekteure erklärten sich unterdessen in einem Bericht an den Weltsicherheitsrat zur Wiederaufnahme ihrer Arbeit in Irak bereit. Trotz des beträchtlichen Schadens am UN-Sitz in Bagdad nach dem Bombenanschlag vom 19. August könnten die Inspektionen wieder beginnen, hieß es in dem Bericht vom Dienstag. Der Sicherheitsrat hat bislang jedoch noch keine Entscheidung über ein mögliches neues Mandat für die UN-Kommission für Überwachung, Verifikation und Inspektion (UNMOVIC) getroffen.

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