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Irak : Pentagon: Husseins Agenten planten Aufstand

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Geplanter Aufstand? Junge Iraker feiern auf einem amerikanischen Armeefahrzeug Bild: dpa/dpaweb

Der frühere Geheimdienst des gestürzten irakischen Diktators steckt nach Überzeugung der Amerikaner hinter den meisten Anschlägen und Guerilla-Angriffen im Irak.

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          Agenten von Saddam Husseins ehemaligem Geheimdienst M-14 stecken nach Überzeugung des amerikanischen Verteidigungsministeriums hinter den meisten Anschlägen und Guerilla-Angriffen in Irak. Wie die Zeitung „New York Times“ am Donnerstag berichtete, gehen die Pentagon-Experten davon aus, daß M-14-Agenten in Falludscha und Ramadi aktiv sind.

          Ihren Erkenntnissen nach wurde der derzeitige Aufstand von dem Geheimdienst des früheren irakischen Machthabers noch vor der Eroberung Bagdads durch die amerikanischen Truppen geplant. Der M-14, früher bekannt als „Abteilung für Spezialeinsätze und Terrorbekämpfung“, ist der Pentagon-Studie zufolge „für Geiselnahmen, Morde und Sprengstoffe“ verantwortlich. Er habe seine Mission ohne aufwändige zentrale Kontrolle geplant, um sie auch bei der Festnahme oder dem Tod von Kommandeuren fortsetzen zu können.

          „Das Land als Geisel nehmen“

          Die M-14-Agenten hätten den Befehl erhalten, sich im Land zu verteilen und Guerilla-Attacken und Bombenanschläge zu organisieren. Die Sprengstoffwesten von Selbstmordattentätern seien vor dem Krieg und auf Anweisung des M-14 präpariert worden. „Sie waren darauf vorbereitet, das Land als Geisel zu nehmen“, zitierte die Zeitung einen amerikanischen Beamten.

          „Das Ziel war es, den Prozeß der Stabilisierung und Demokratisierung zu erschweren.“ Der Bericht stützt sich auf Erkenntnisse aus Verhören festgenommener M-14-Agenten und beschlagnahmten Dokumenten.

          Rückzug aus Falludscha

          Nach der internationalen Kritik an den tagelangen Angriffen auf Falludscha haben sich amerikanische Truppen angeblich am Donnerstag aus der irakischen Stadt zurückgezogen. Ein Abkommen sei erzielt worden, und alle Marineinfanteristen würden abgezogen, sagte ein amerikanischer Kommandeur. Noch in der Nacht waren bei Luftangriffen Raketen auf Ziele in Falludscha abgeschossen worden. Die amerikanischen Truppen sollen am Freitag von irakischen Sicherheitskräften ersetzt werden, wie Oberstleutnant Brennan Byrne sagte. Der „Falludscha-Schutzarmee“ sollen nach seinen Worten 1.100 irakische Soldaten angehören, sie soll von einem früheren General aus der aufgelösten Armee Saddam Husseins befehligt werden.

          Kritisiert wurden die Angriffe auf Falludscha von UN-Generalsekretär Kofi Annan. „Gewaltsame Militäraktionen einer Besatzungsmacht gegen Bewohner eines besetzten Landes machen die Lage nur schlimmer“, sagte er in New York. Am Hauptkontrollpunkt vor Falludscha eröffneten amerikanische Soldaten am Donnerstag das Feuer auf ein Auto und töteten mehrere Insassen. Wie ein Armeesprecher mitteilte, handelte es sich um Aufständische, die aus dem Wagen auf die Soldaten gefeuert hätten. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete dagegen, wie die Soldaten auf einen Kleinlastwagen schossen und eine siebenköpfige Familie töteten, die aus der Stadt zu fliehen versuchte.

          Unterdessen kamen bei einem Autobombenanschlag in der Nähe von Bagdad kamen nach amerikanischen Angaben acht amerikanische Soldaten ums Leben, vier weitere wurden verletzt. Der Anschlag ereignete sich bei Mahmudijah, südlich von Bagdad.

          Britische Militärs im Irak gegen hartes Vorgehen

          Die militärische Führung der britischen Streitkräfte im Irak lehnt das harte Vorgehen der Amerikaner gegen die Aufständischen nach einem Bericht der britischen Zeitung „Guardian“ ab. Sie hätten sich deshalb auch nachdrücklich gegen eine Verstärkung der britischen Truppen ausgesprochen, berichtete das Blatt am Donnerstag. Sie glaubten, daß der Konflikt langfristig nur politisch und nicht durch eine immer größere Militärpräsenz gelöst werden könne.

          „Die britische Militärführung ist absolut dagegen, die bisher unter spanischem Kommando stehenden Gebiete zu übernehmen oder weitere Truppen zu schicken“, zitierte die Zeitung eine Regierungsquelle. Äußerungen eines hohen Beamten des Verteidigungsministeriums wurde mit den Worten wiedergegeben, falls London doch mehr Truppen entsenden sollte, würden diese anders vorgehen als die Amerikaner: „Wir müssen zwar in der Lage sein, mit den Amerikanern zu kämpfen. Das bedeutet aber nicht, daß wir wie die Amerikaner kämpfen müssen.“ Die britischen Offiziere wollten auf jeden Fall verhindern, daß die Truppen im Falle einer Verstärkung unter amerikanischen Oberbefehl kämen. Die Briten treten im Süden des Iraks wesentlich zurückhaltender auf als die amerikanischen Truppen in anderen Landesteilen.

          Bush: „Unser Militär wird tun, was nötig ist“

          Die Vereinigten Staaten wollen aber weiter entschlossen gegen Aufständische vorgehen. Präsident George W. Bush hatte noch am Mittwoch abend ein hartes Durchgreifen in der Stadt Falludscha angekündigt. Befehlshaber der Marineinfanteristen, die die Widerstandshochburg belagern, und der 1. Infanteriedivision in Takrit, der Heimatstadt Saddam Husseins, hatten unterdessen zusätzliches, schwereres Kriegsmaterial angefordert. Rund zwei Dutzend Kampfpanzer vom Typ M-1 Abrams kommen nach Angaben von Pentagon-Vertretern per Schiff aus Deutschland. Diese Maßnahmen sprechen gegen den vom Armee-Sprecher verkündeten Rückzug aus Falludscha.

          Bush sagte im Weißen Haus: „Unser Militär wird tun, was nötig ist, um Falludscha im Namen des irakischen Volkes sicher zu machen.“ Der Präsident bekräftigte, daß seine Regierung an den Plänen zur Machtübergabe am 30. Juni festhalte. Das Außenministerium begrüßte die Vorschläge des UN-Sonderbeauftragten Brahimi für die Bildung einer Übergangsregierung im Irak. Die Vorschläge bildeten eine gute Basis, um eine souveräne Übergangsregierung zusammenstellen, die Ende Juni die Regierungsgewalt übernehmen soll, sagte Außenamtssprecher Adam Ereli.

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