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Irak-Krise : Bischöfe: Präventivkrieg ist sittlich unerlaubt

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Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen Präventivkrieg gegen den Irak in einer ungewöhnlich scharfen Erklärung verurteilt.

          Mit scharfen Worten haben die deutschen katholischen Bischöfe einen drohenden Krieg gegen den Irak verurteilt. Er sei sittlich unerlaubt und stehe im Widerspruch zum Völkerrecht, erklärte die Deutsche Bischofskonferenz nach Beratungen am Montag in Würzburg.

          Krieg dürfe nur im Falle eines Angriffs oder zur Abwehr schlimmster Menschheitsverbrechen in Erwägung gezogen werden. Krieg dürfe aber nicht auf der „Basis einer vermuteten Bedrohung“ geführt werden, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, vor Journalisten. „Noch so viele Verdachtsmomente begründen nicht irgendeinen Präventivkrieg.“

          "Ein präventiver Krieg ist eine Aggression"

          „Eine Sicherheitsstrategie, die sich zum vorbeugenden Krieg bekennt, steht im Widerspruch zur katholischen Lehre und zum Völkerrecht“, hieß es in der ungewöhnlich deutlichen Erklärung. Ein präventiver Krieg sei eine Aggression. Er könne nicht als gerechter Krieg zur Selbstverteidigung definiert werden. Denn das Recht auf Selbstverteidigung setze einen tatsächlichen oder unmittelbar bevorstehenden Angriff voraus, jedoch nicht nur die Möglichkeit eines Angriffs.

          „Der Krieg zur Gefahrenvorbeugung würde das völkerrechtliche Gewaltverbot aushöhlen, politische Instabilität fördern und letztlich das ganze internationale System der Staatengemeinschaft in seinen Grundfesten erschüttern“, erklärten die Bischöfe. Die Oberhirten räumten ein, dass der Irak ein „Risiko für die internationale Ordnung“ darstelle, das die Weltgemeinschaft nicht ignorieren dürfe. Die Bischöfe bejahten deshalb das Bemühen der Vereinten Nationen, Druck auf den Irak auszuüben, um eine Produktion atomarer, biologischer und chemischer Waffen zu verhindern.

          "Unzahl von Toten und Verwundeten"

          Die Politik dürfe jedoch keinesfalls in eine Eskalationslogik geraten, die einen Krieg am Ende unvermeidlich mache. „Wir können nur mit allergrößter Intensität warnen“, betonte Kardinal Lehmann. Bei der Entscheidung über einen Einsatz militärischer Mittel müssten die absehbaren Folgen in Betracht gezogen werden, mahnten die katholischen Oberhirten. Ein Krieg gegen den Irak werde aller Wahrscheinlichkeit nach eine Unzahl von Toten und Verwundeten mit sich bringen.

          Auch drohten schwerste politische Verwerfungen im Nahen und Mittleren Osten, die die Erfolge der internationalen Allianz gegen den Terror gefährdeten. „Fanatische islamische Fundamentalisten würden bei einem Krieg gegen den Irak möglicherweise überall in der Region an Einfluss gewinnen“, warnten die Bischöfe. Sie forderten die politisch Verantwortlichen auf, das in ihrer Macht Stehende zu tun, einen Krieg im Irak zu verhindern.

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