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Irak-Krieg : Wie viele Tote erträgt die amerikanische Öffentlichkeit?

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Nur eingeschränkte Informationen für die Öffentlichkeit. Bild: dpa

In Somalia und Vietnam trugen die amerikanischen Kriegsopfer entscheidend dazu bei, dass die Bevölkerung gegen einen weiteren Truppeneinsatz rebellierte. Im Irak-Krieg steigt die Zahl der Opfer.

          Ein lebloser GI wird von einer johlenden Menge durch die Straßen von Mogadischu geschleift. Die Bilder von dem zerschundenen Körper gingen 1993 um die Welt - und sorgten für ein abruptes Ende des US-Einsatzes im Bürgerkriegsland Somalia. Zu heftig war die Reaktion der entsetzten Landsleute von New York bis San Francisco.

          In Irak sind seit Kriegsbeginn mindestens 37 US-Soldaten gefallen. Der Blutzoll steigt mit jedem Tag, zumal die Iraker gegen den überlegenen Gegner offenbar verstärkt auf Guerilla-Taktiken setzen. In seinem Kampf ums Überleben dürfte sich der irakische Machthaber Saddam Hussein auch diese Frage immer wieder stellen: Wie viele Tote erträgt die amerikanische Öffentlichkeit?

          Trauma Vietnam

          Vor Somalia hatten die amerikanischen Bürger bereits einmal deutlich gezeigt, dass ihre Bereitschaft, Soldaten für hehre politische Ziele zu opfern, begrenzt ist. Der Stachel des Vietnam-Traumas sitzt bis heute tief im kollektiven Bewusstsein der Menschen in den Vereinigten Staaten. In dem mörderischen Dschungel-Krieg fernab der Heimat starben zwischen 1965 und 1972 etwa 58.000 amerikanische Soldaten. Ein Präsident - Lyndon B. Johnson - stürzte über den amerikanischen Einsatz in dem südostasiatischen Land. Nicht zuletzt wegen der kritischen Haltung in der Heimat zog die amerikanische Regierung ihre Truppen schließlich zurück.

          Genau dieses Kalkül liege auch der irakischen Kriegsstrategie zugrunde, sagt die Nahost-Expertin Judith Kipper vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington. Das Ziel der irakischen Führung sei klar: „Möglichst viele Amerikaner töten.“ Saddam Hussein sei der Überzeugung, „dass für uns der Tod von zehn, zwölf Mann bereits ein schwerer Verlust ist, und dass wir keine schweren Verluste aushalten“, erläutert Kenneth Pollack vom Brookings-Institut in Washington.

          Wachsende Zweifel

          Vor allem der erbitterte Widerstand der irakischen Truppen in Südirak habe Bagdad in den vergangenen Tagen ermutigt, glaubt Pollack. Das um so mehr, als die kriegsgewohnte irakische Führung eigenen Verlusten viel weniger Wert beimesse. Saddam Hussein würde wohl erst bei Ausfällen von 10.000 irakischen Soldaten an einem Tag von „schweren Verlusten“ sprechen, sagt Pollack. Die jüngsten Umfragewerte deuten auf wachsende Zweifel in der amerikanischen evölkerung. Anfang der Woche glaubten nur noch 38 Prozent der vom Pew Research Institut befragten amerikanischen Bürger, dass der Krieg „sehr gut“ verlaufe. Am ersten Kriegstag hatten dies noch 71 Prozent behauptet.

          "Ich glaube, die Schwierigkeiten der amerikanischen Öffentlichkeit im Umgang mit Verlusten werden übertrieben“, sagt Clark Murdock, der ebenfalls am Zentrum für Strategische und Internationale Studien forscht. Wenn die Mission einem Zweck dient, könne sich die Öffentlichkeit sehr wohl mit Opfern abfinden. Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September seien die amerikanischen Bürger darauf vorbereitet, dass auch sie ein gewaltsamer Tod treffen könnte.

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