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Irak-Krieg : "Friendly Fire"

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Resultat eines friendly fire: 37 verletzte amerikanische Soldaten. Bild: dpa

Es ist trauriger Kriegsalltag: Viele Opfer der Alliierten sind durch eigene Truppen verursacht. Und der Prozentsatz an Soldaten, die durch Beschuß eigener Leute ums Leben kommen, steigt mit jedem Krieg.

          Im Sprachgebrauch der angelsächsischen Streitkräfte heißt es "friendly fire", doch der Beschuß ist alles andere als "freundlich". In jedem bewaffneten Konflikt kommt es nämlich vor, daß Soldaten nicht durch die Aktionen des Gegners, sondern durch Maßnahmen der "Freunde", also eigener oder verbündeter Truppen, sterben. Außerdem kommen in jedem Krieg Soldaten nicht nur bei Kampfhandlungen, sondern bei gewöhnlichen Unfällen ums Leben. Bei verschiedenen solcher militärischen Eigentore sind im Irak-Krieg inzwischen mindestens zwanzig amerikanische und britische Soldaten gestorben - eine Zahl, die auf den ersten Blick außergewöhnlich hoch erscheint.

          Nach einer Zusammenstellung der American War Library, einer losen Verbindung ehemaliger amerikanischer Soldaten in Kalifornien, nimmt der Prozentsatz an Soldaten, die durch Beschuß eigener Truppen ums Leben kamen, mit jedem neuen Krieg zu. Während des Korea-Krieges fielen 18 Prozent der amerikanischen und südkoreanischen Soldaten durch "friendly fire". In Vietnam waren es schon 39 Prozent, und im letzten Golfkrieg war die Zahl auf 45 Prozent gestiegen. 165 amerikanische und fünf britische Soldaten fielen während "Desert Storm" im Jahre 1991, weil sie unter Beschuß von Kameraden und Alliierten gerieten.

          Fehler und Verwechslungen

          Einer der Gründe für diesen hohen Prozentsatz ist die Tatsache, daß in einem modernen Krieg zahlreiche verschiedene Einheiten eng zusammenarbeiten müssen. Um sich zu orientieren, sind sie dabei stark auf technische Hilfsmittel, wie GPS-Navigationshilfen angewiesen. Allerdings werden nicht nur die Standorte der verschiedenen Einheiten, sondern auch die Ziele für Bombenangriffe in GPS-Koordinaten angegeben. Wenn es dabei zu Verwechslungen oder der fehlerhaften Übertragung auch nur einer Ziffer kommt, sind Katastrophen programmiert.

          So wäre im vergangenen Jahr der afghanische Präsident Karzai kurz nach seinem Eintreffen in seinem Heimatland beinahe zum Opfer eines amerikanischen Bombenangriffs geworden. Ein amerikanischer Elitesoldat, der zum Schutz Karzais mit dem Präsidenten unterwegs war und gleichzeitig Ziele für Bombenangriffe ausspähte, hatte seinem Hauptquartier fälschlicherweise nicht die GPS-Koordinaten eines Zieles, sondern die seines eigenen Konvois mitgeteilt. Diese Daten wurden dann als Zielkoordinaten an die Besatzung eines B-52-Bombers weitergegeben. Karzai kam nur deshalb mit dem Schrecken davon, weil sich sein Konvoi zwischen der Durchgabe der Koordinaten und dem eigentlichen Angriff einige hundert Meter weiterbewegt hatte.

          Luftraum wird eng

          Ein anderer Grund für die große Zahl von Unfällen in diesem Krieg ist die Tatsache, daß nahezu alle Truppen durch das "Nadelöhr" Kuweit müssen. Während im letzten Golfkrieg Saudi-Arabien als Aufmarschgebiet zur Verfügung stand, wird der Angriff zu Lande jetzt weitgehend von Kuweit aus geführt. Deshalb wird es auch im Luftraum über dem kleinen Land eng - und es kann zu Zusammenstößen und Abstürzen kommen.

          Schließlich sind es auch die psychologischen Belastungen, die bei Soldaten zu Kurzschlußhandlungen führen können, bei denen dann Kameraden ums Leben kommen. Das ist möglicherweise der Hintergrund für jenen Zwischenfall, bei dem in der vorvergangenen Woche ein amerikanischer Soldat starb und dreizehn weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Im "Camp Pennsylvania", dem Hauptquartier der nach Kuweit verlegten 101. Luftlandedivision des amerikanischen Heeres, hatte ein Soldat mehrere Handgranaten in das Zelt eines Brigadekommandeurs geworfen und auch mehrere Schüsse aus seiner Waffe abgegeben. Bei dem Täter handelt es sich um einen Unteroffizier einer Pionier-Einheit innerhalb der Division.

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