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Irak-Krieg : Beschuss aus den eigenen Reihen

Ein von eigenen Truppen beschossener amerikanischer Konvoi Bild: dpa

Im High-Tech-Krieg in der irakischen Wüste müssen Soldaten anhand von Markierungen an Fahrzeugen entscheiden, wer Freund und wer Feind ist. Und oft genug entscheiden sie sich falsch.

          Der britische Obergefreite Steven Gerrard hat einen Flugzeug-Angriff auf seinen Konvoi verletzt überlebt. Ein Kamerad starb bei dem Beschuss am Freitag, mehrere Soldaten wurden verletzt. Opfer, die dem Kommandeur der Einheit vermeidbar scheinen, denn der Angreifer war nicht der Feind, sondern der vermeintliche Freund, ein amerikanischer Kampfpilot.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Er sei dazu ausgebildet, sein Fahrzeug vor feindlichem Beschuss zu bewahren, sagte Gerrard. „Wozu ich nicht ausgebildet bin, ist, mich vor Beschuss durch Amerikaner zu schützen."

          Unruhe in Großbritannien

          Die Todesfälle durch irrtümliche Angriffe eigener Truppen häufen sich und beunruhigen insbesondere die britische Öffentlichkeit. Fünf solcher Fälle von sogenanntem „friendly fire“ aus den eigenen Reihen oder denen der amerikanischen Verbündeten haben den britischen Streitkräften am Golf etwa ebenso viele Verluste zugefügt wie Gefechte mit irakischen Einheiten - seit Beginn des Kriegs kamen 25 britische Soldaten ums Leben.

          Im High-Tech-Krieg der Alliierten fehlt es beispielsweise an elektronischen Freund-Feind-Erkennungssystemen. Statt dessen müssen die Soldaten bei Sichtkontakt entscheiden, wer in der Ferne eine Waffe in den Händen hält. Der von den Amerikanern beschossene britische Konvoi war mit Markierungen und einer britischen Fahne gekennzeichnet, berichtete Kommandeur Gerrard. "Eine Ausrüstung, die uns von den Amerikanern gegeben wurde. Benutzt sie, und ihr werdet nicht angeschossen, haben sie gesagt".

          Vorwürfe an Amerikaner

          Der jüngste Zwischenfall vom Freitag stellt nicht nur die Fähigkeiten des amerikanischen Kampfpiloten in Frage, sondern auch die ausreichende Kennzeichnung der alliierten Bodentruppen. Gerrard sagte, er könne nicht verstehen, wieso die A-10 die britischen Fahrzeuge für ein feindliches Ziel hätte halten können. „Wir können ein Fahrzeug von Verbündeten auf 1.500 Meter Entfernung erkennen“, sagte Gerrard.

          Technische Schwierigkeiten

          Ursache für militärische Fehlschläge können außerdem Dunkelheit und Schlechtwetterfronten sein, Informatik- und Kommunikationspannen oder menschliches Versagen im Umgang mit den komplizierten Waffensystemen. Die Präzision des mit Satelliten betriebenen GPS-Systems („Global Positioning System“) zur Ortung der eigenen Truppen kann durch schlechtes Wetter, Sandstürme oder Störsender des Gegners beeinträchtigt werden.

          Der amerikanische Kommandoposten in der Nähe von Nassarija wurde offenbar von Granaten der eigenen Truppen getroffen. 37 Soldaten wurden verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich. Bei den Gefechten um die südirakische Stadt Basra wurden am Dienstag zwei britische Besatzungsmitglieder eines Kampfpanzers irrtümlich von einem anderen britischen Panzer beschossen. Zwei weitere britische Soldaten wurden vergangenes Wochenende versehentlich in ihrem Tornado-Kampfflugzeug von einer Patriot-Rakete der US-Streitkräfte abgeschossen.

          In jedem Krieg mehr Opfer

          Die Opfer durch Beschuss aus den eigenen Reihen sind erheblich. Und sie werden weiter steigen, wenn man der Statistik Glauben schenken darf. Seit dem Vietnamkrieg hat die Zahl der Opfer durch "friendly fire" in jedem von den Amerikanern geführten Krieg stetig zugenommen.

          In Vietnam waren es schon 39 Prozent, und im letzten Golfkrieg war die Zahl auf 45 Prozent gestiegen. 165 amerikanische und fünf britische Soldaten fielen während "Desert Storm" im Jahre 1991, weil sie unter Beschuss von Kameraden und Alliierten gerieten. Die gepriesenen Präzisionswaffen richten sich wegen menschlichem Versagen immer öfter gegen die eigenen Leute.

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