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Irak : Kein Frieden für Falludscha

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Belagertes Falludscha: Wieder unter Beschuß Bild: REUTERS

Die amerikanische Armee hat abermals Ziele in der irakischen Stadt Falludscha bombardiert und damit Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kämpfe in der Rebellen-Hochburg gedämpft.

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          Die amerikanische Armee hat am Donnerstag abermals Ziele in der irakischen Stadt Falludscha bombardiert und damit Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Kämpfe in der Rebellen-Hochburg gedämpft. Amerikanische Maschinen griffen drei Zonen in der Stadt an, in der sich bis zu 2.000 Aufständische verschanzt halten sollen. Die Widerstandskämpfer der Stadt hatten ein amerikanischs Ultimatum zur Abgabe ihrer schweren Waffen verstreichen lassen.

          Kampfjets vom Typ F/A-18 warfen drei Bomben über der Stadt ab, teilte ein Sprecher der amerikanischen Marine in Washington mit. Die Kampfjets seien vom Flugzeugträger USS George Washington aus gestartet und blieben vorerst im Bereich von Falludscha, um die dortigen Truppen im Notfall aus der Luft zu unterstützen.

          Neue Strategie

          Dabei zeichnete sich in dem seit mehr als drei Wochen von amerikanischen Truppen belagerten Falludscha am Donnerstag morgen eine mögliche Lösung ab. Medien berichteten von Gesprächen der amerikanischen Kommandeure in der Region und in Bagdad mit ranghohen Offizieren der neuen irakischen Armee, die mit ihren Truppen nach einem Abzug der amerikanischen Truppen in die Hochburg radikaler sunnitischer Aufständischer einrücken sollten.

          Nächtliches Bombardement in Falludscha

          Bis Donnerstag nachmittag wollte die Militärführung der Besatzungstruppen in Bagdad nicht bestätigen, daß man schon ein entsprechendes Abkommen erreicht habe. Zunächst müßten die irakischen Einheiten das Kommando in Falludscha übernehmen und unter Beweis stellen, daß sie die Angriffe der Aufständischen zu einem Ende bringen könnten.

          Abtransport schwerer Waffen

          Berichterstatter in der Region wollten jedoch beobachtet haben, daß die amerikanischen Marineinfanteristen mit der Verladung und dem Abtransport schwerer Waffen begonnen hatten. In und um Falludscha herrschte während des Tages gespannte Ruhe, nachdem amerikanische Flugzeuge am Morgen wieder Angriffe auf vermutete Stellungen der Aufständischen geflogen hatte. In New York hatte zuvor UN-Generalsekretär Kofi Annan vor einem Blutbad in Falludscha gewarnt und die Besatzungstruppen zur Zurückhaltung aufgefordert. „Militäreinsätze einer Besatzungsmacht gegen die Bewohner eines besetzten Landes führen nur dazu, die Lage zu verschlimmern“, sagte Annan.

          Ähnlich hatte sich auch Annans Sonderbeauftragter für den Irak, Lakhdar Brahimi, geäußert, der bis Ende Mai ein irakisches Übergangskabinett einberufen soll. Dagegen hatte Präsident George W. Bush in Washington versichert, die Kommandeure in der Region würden das Nötige tun, um die Rebellenhochburg zu befrieden.

          Autobombenanschlag auf Amerikaner

          Zwei Tage vor dem ersten Jahrestag des offiziellen Endes des wesentlichen Kampfhandlungen im Irak starben am Donnerstag zehn weitere amerikanische Soldaten. Der folgenschwerste Anschlag wurde aus Mahmudija, etwa 30 Kilometer südlich von Bagdad, gemeldet. Dort wurden acht amerikanische Soldaten bei einem Anschlag mit einer Autobombe getötet.

          Zwei weitere Soldat starben, als Aufständische eine Patrouille im Osten der Hauptstadt mit Panzerfäusten angriffen, sowie nahe der 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba, wo es zu einem Sprengstoffanschlag auf ein amerikanisches Militärfahrzeug kam. Wie erst am Donnerstag bekannt wurde, waren am Vortag bei zwei Anschlägen in der nordirakischen Stadt Mosul sieben Polizisten und ein Wachmann getötet worden.

          Ruhe in Nadschaf

          Auch in der ebenfalls seit etwa drei Wochen belagerten Stadt Nadschaf blieb es am Donnerstag weitgehend ruhig. In der den Schiiten heiligen Stadt haben sich Kämpfer der radikalen schiitischen Geistlichen Muqtada al Sadr verschanzt. In den vergangenen Tagen gab es wiederholt Meldungen aus Nadschaf, wonach Milizen gemäßigter Schiitenführer gegen die Mahdi-Armee al Sadrs vorgehen.

          Angesichts der schweren Kämpfe bechloß das Pentagon, die Truppen im Irak mit zusätzlichen Panzern und gepanzerten Fahrzeugen zu verstärken. Das Material sei auf dem Weg, sagte General John Sattler von der Dependence des amerikanischen Zentralkommandos in Doha in Qatar. Vor allem die Truppen bei Falludscha und in Takrit, der Heimatstadt des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, sollen die Kampfpanzer vom Typ „Abrams“ sowie andere Panzerfahrzeuge erhalten.

          Pentagon: Saddams Agenten planten Anschläge

          Die Tageszeitung „New York Times“ berichtete von einem Papier des militärischen Geheimdienstes des Pentagons, wonach die Bombenanschläge und lokalen Aufstände gegen die Besazungstruppen wesentlich von einer „M 14“ genannten Abteilung des früheren Geheimdienstes von Saddam Hussein geplant worden seien.

          Der Nachrichtensender CNN und die Tageszeitung „USA Today“ veröffentlichten am Donnerstag ddas Ergebnis einer Gallup-Umfrage im Irak, wonach sich 57 Prozent von mehr als 3000 Befragten für einen sofortigen Abzug der Besatzungstruppen aussprachen. 36 Prozent waren der Ansicht, die Truppen sollten weiterhin im Lande bleiben. Zugleich zeigte sich aber auch eine Mehrheit von 53 Prozent überzeugt, daß sich nach einem sofortigen Abzug der Besatzungstruppen die Sicherheitslage weiter verschlechtern werde. In einer weiteren Umfrage, die von der „New York Times“ in Auftrag gegeben wurde, halten 48 Prozent der Befragten den Einmarsch im Irak für einen Fehler. Das ist ein Anstieg um 24 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. Allein in diesem Monat wurden im Irak mehr als hundert amerikanische Soldaten getötet.

          Der französische Präsident Jacques Chirac hat in Paris Zweifel geäußert, ob vor der Übergabe der Regierungsverantwortung an die Iraker eine weitere Resolution des UN-Sicherheitsrates beschlossen werden kann. Es wäre „verhängnisvoll“, wenn eine solche Resolution „auf Zweideutigkeit gründete“ und die eigentliche Macht nicht an die UN-Mission überginge, sondern bei der von den Vereinigten Staaten geführten Militärkoalition bleibe, sagte Chirac bei einer Pressekonferenz im Elysée-Palast.

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