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Irak : Amerikaner erschießen Reuters-Kameramann

  • Aktualisiert am

Erfahrener Kameramann: Mazen Dana Bild: AP

Die amerikanischen Streitkräfte haben am Montag die Verantwortung für die tödlichen Schüsse auf den Kameramann Mazen Dana übernommen. Die Lage im Irak bleibt nach einer Reihe von Sabotageakten weiter angespannt.

          2 Min.

          Gewalt und Sabotageakte gegen die Infrastruktur des Landes lassen den Irak auch weiterhin nicht zur Ruhe kommen lassen. Auf die für den Öl-Export wichtige Pipeline durch den Nord-Irak wurde innerhalb weniger Tage ein zweiter Anschlag verübt. Auch eine Hauptwasserleitung in der Hauptstadt Bagdad wurde vermutlich durch einen Sprengsatz beschädigt.

          Die amerikanischen Streitkräfte in Irak haben am Montag die Verantwortung für tödliche Schüsse auf einen Kameramann der britischen Nachrichtenagentur Reuters übernommen. Die Soldaten hätten am Sonntag die Kamera des 41 Jahre alten Mazen Dana mit einem Raketenwerfer verwechselt und das Feuer auf ihn eröffnet, sagte ein Militärsprecher.

          „Bedauerlicher Vorfall“

          Dana hatte im Westen von Bagdad vor dem Gefängnis Abu Ghraib gefilmt, wo zuvor bei einem Mörseranschlag sechs Iraker getötet und etwa 60 verletzt worden waren. Auf dem Videoband in seiner Kamera war zu sehen, wie zwei amerikanische Panzer aus etwa 50 Metern Entfernung auf ihn zu fuhren. Dann waren sechs Schüsse aus Richtung der Panzer zu hören, und Dana fiel zu Boden. Danas Fahrer Munser Abbas kritisierte das Verhalten der Soldaten scharf. „In der Gegend waren viele Journalisten“, sagte er. „Sie wussten, dass wir Journalisten waren. Das war kein Unfall.“

          Amerikanische Patrouillen in Bagdad
          Amerikanische Patrouillen in Bagdad : Bild: dpa/dpaweb

          Ein Militärsprecher sagte, die Soldaten hätten Dana aus der Ferne für einen irakischen Guerillakämpfer gehalten. Ein Sprecher des US-Oberkommandos Mitte, Hauptfeldwebel Lewis Matson, sagte: „Dies ist ein weiterer tragischer, extrem bedauerlicher Vorfall.“ Seit Beginn des Kriegs am 20. März kamen bislang 18 Journalisten in Irak gewaltsam ums Leben. Journalistenorganisationen haben von den Vereinigten Staaten eine rückhaltlose Untersuchung der Umstände gefordert, die zum Tod Danas geführt hatten.

          Anschlag auf Pipeline

          Der mutmaßliche Anschlag auf die in die Türkei führende Pipeline wurde nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt verübt, an der die Leitung seit einem Attentat Tags zuvor bereits unterbrochen ist. „Es ist in der Nacht passiert. Wir gehen davon aus, daß es sich um Sabotage handelt, und es wird ein bis zwei Wochen dauern, um die Pipeline wieder zum Laufen zu bringen", sagte der Geologe Ijad Mohammed, der für die North Oil Company arbeitet.

          Die Reparatur des anderen, ebenfalls durch einen Sprengsatz verursachten Lecks wird der amerikanischen Armee zufolge gleichfalls bis zu zwei Wochen dauern. Beide Anschläge lösten riesige Brände aus, von denen dicke schwarze Rauchwolken aufstiegen. Die Pipeline bringt Öl aus Kirkuk in den türkischen Hafen Ceyhan und wurde erst am Mittwoch nach zahlreichen Sabotageakten wieder in Betrieb genommen.

          Nach Angaben des amerikanischen Zivilverwalters im Irak, Paul Bremer, kostet die Schließung der Pipeline täglich sieben Millionen Dollar. Anschläge auf Pipelines sowie Strom- und Wasserleitungen haben wiederholt die Bemühungen behindert, die beschädigte Infrastruktur des Landes wieder funktionstüchtig zu machen. Die Vereinigten Staaten machen Anhänger des gestürzten Präsidenten Saddam Hussein und ausländische Extremistengruppen für die Anschläge verantwortlich.

          Sabotage an Wasserpipline?

          Einen Tag nach dem mutmaßlichen Sabotageakt gegen eine Wasserleitung haben auch am Montag hunderttausende Einwohner von Bagdad kein fließendes Wasser gehabt. Die Reparatur sei aber abgeschlossen und die Versorgung könne wieder aufgenommen werden, sagte ein leitender Mitarbeiter des Wasserwerks. Augenzeugen hatten berichtet, zwei Männer hätten kurz vor der Explosion eine Tasche mit Sprengstoff deponiert. Amerikanische Soldaten und Techniker vor Ort sagten, es gebe keinen Hinweis auf eine Bombe.

          Bei einer Explosion in einem Munitionslager sind am Montag zwölf Iraker getötet worden. Die Iraker seien im Morgengrauen in das Lager in der Stadt Tikrit eingedrungen, um dort Munition und Waffen zu plündern, berichtete der katarische Fernsehsender El Dschasira unter Berufung auf Anwohner. Das Lager stand demnach noch Stunden nach der Explosion in Flammen. Die amerikanische Armee habe den Bereich zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Viele Plünderer versuchen, erbeutete Waffen in ihre Bestandteile zu zerlegen und das dabei anfallende Kupfer zu verkaufen.

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