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Interview : Globalisierungsgegner sind nicht nur Krawallmacher

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Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank Bild: Deutsche Bank AG

Beim Weltwirtschaftsgipfel in Genua schlägt auch wieder die Stunde der Globalisierungsgegner.

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          Beim Weltwirtschaftsgipfel in Genua schlägt auch wieder die Stunde der Globalisierungsgegner. „Man muss die Argumente verstehen, weil man sonst gewisse Zukunftstrends nicht begreift“, sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, im Gespräch mit FAZ.NET.

          Immer mehr im Vordergrund steht bei solchen Treffen wie dem Weltwirtschaftsgipfel auch die Front der Globalisierungsgegner, die sich stark machen gegen die Verflechtung der Konzerne und die Öffnung der Weltmärkte. Was halten Sie von deren Argumenten?

          Was sich in diesem Gebräu zusammenmischt, ist eine Kombination von Krawallmachern und höchst edlen Idealisten, und jede Gruppe muss man verschieden behandeln. Für die einen ist die Polizei zuständig. Bei den anderen wäre es sicher hilfreich, wenn sie den Weg in der Demokratie suchen würden, statt sich bei solchen Demonstrationen zu verausgaben. Es gibt auch jene, die sich in diesen Globalisierungszug eingereiht haben. Das sind ganz nüchterne Interessengruppen, die dort ihre sehr nationalen und partikularen Interessen einbringen. Wenn sich Protektionisten aus Unternehmenskreisen und in Form von Gewerkschaften hinter die Bewegungen stellen, dann gilt es, die Institutionen in ihre Schranken zu verweisen.

          Abgesehen von den Chaoten und Steinewerfern unter den Globalisierungsgegnern, ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass es sie gibt?

          Ich hätte es gern, wenn die Interessen, die für eine soziale Gestaltung unserer Wirtschaftsordnung kämpfen, eingebracht werden. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass man diese Gedanken in den internationalen Gremien ebenso einbringen kann wie in den nationalen Regierungen. Wir Deutschen sind ein gutes Beispiel, wie man Umweltschutz in das nationale Parteiensystem einbringen kann.

          Manche suchen den Dialog, andere scheuen das Zusammentreffen mit den Demonstranten. Wie sollte die Wirtschaft mit den Protesten der Globalisierungsgegner umgehen?

          Ich würde eine pragmatische Haltung empfehlen. Man muss die Argumente verstehen, weil man sonst gewisse Zukunftstrends nicht begreift. Ich glaube, dass es völlig selbstverständlich ist, dass diejenigen, die etwas von Umweltschutz verstehen, sich mit denjenigen zusammensetzen, die Umweltschutzgedanken vortragen, um daraus dann vernünftige Konzepte zu entwickeln.

          Inwiefern haben die Proteste der Globalisierungsgegner Auswirkungen auf die Globalisierungsstrategien der Unternehmen?

          Negativ gesehen können derartige Proteste Entwicklungen zum Teil begrenzen. In anderen Fällen stellen sie eine Möglichkeit zur Bewirkung von Fortschritt dar, indem neue und bedeutende Ideen aufgebracht werden. Dieses Einbringen von Ideen kann dazu führen, dass sie innerhalb der Unternehmen mit größerem Nachdruck verfolgt werden.

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