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Interview : Für das Ende der Zwei-Klassen-Gesellschaft

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Jörg Tremmel, Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen
          5 Min.

          Jörg Tremmel, Vorstandssprecher der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, nennt Riesters Rentenrefom ein „bürokratisches Monstrum“. Sie sei nicht radikal genug, Beamte und Selbständige müssten mit einbezogen werden. Es könne nicht sein, dass immer weniger Jüngere immer größere Lasten für immer mehr Ältere tragen, die keine Abstriche hinnehmen wollten.

          Sie setzen sich ein für eine „Zukunftsethik“, nach der Generationen dort an Ihre Grenzen stoßen, wo sie die Zukunftschancen nachfolgender Generationen beeinträchtigen. Klappt das bei der Rentenreform?

          Nein, denn die junge Generation, die am Anfang des Berufslebens steht, bekommt nur eine Rendite von Null oder negativ, während jemand, der heute in Rente geht, noch eine Rendite von fünf bis sechs Prozent erhält. Das bedeutet eine Ungleichbehandlung der Generationen. Die junge Generation ist einfach deutlich schlechter gestellt, als die gegenwärtig alte. Mit der Rentenreform ist der Generationenkonflikt nicht abgeflaut. Als die Steuerreform endlich beschlossen war, ging ein Aufatmen durchs Land. Das ist bei der Rente überhaupt nicht der Fall.

          Wenn Rentengerechtigkeit zwischen den Generationen das Ziel sein soll, was ist das wichtigste Maß dafür?

          Eindeutig die Rendite. Da wir alle mal jung und mal alt sind, sind Aussagen allein über zu hohe Beitragssätze unsinnig. Es ist nicht ungerecht, einen hohen Beitragssatz zu zahlen, wenn man im Alter eine hohe Rente bekommt. Ungerecht wird es erst, wenn eine Generation in der Erwerbsphase einen hohen Beitragssatz bezahlt und im Alltag nur wenig Rente erhält. Dann ist nämlich ihre Rendite schlecht. Man muss das ganze Leben betrachten, Beiträge und Leistungen. Erst dann können Sie Generationen vergleichen. Die Bereitschaft zum Teilen setzt übrigens die Fähigkeit zum Urteilen voraus. Wenn ein Gesetz so kompliziert ist wie dieses, dann ist es schwierig zu beurteilen, ob es eine gerechte Lösung bietet. Dann findet es keine echte Zustimmung.

          Den Ausgleichsfaktor, der die Rente künftiger Empfänger Jahr für Jahr gekürzt hätte, gibt es längst nicht mehr. Aber auch das Rentenniveau wird nicht so weit gesenkt wie einmal vorgesehen. Ist die Reform radikal genug?

          Sicher nicht. Die Rentenreform ist ein bürokratisches Monstrum, die verstehen auch Fachleute nicht mehr. Und sie arbeitet nicht mit wahrheitsgemäßen Zahlen. Zum einen wird das Renteniveau willkürlich umdefiniert, um 67 Prozent zu erreichen. Nach der bisher gültigen Definition waren das ja zwei Prozentpunkte weniger. Zum anderen wird man den Beitragssatz nicht bei 22 Prozent halten können. Es wird sowohl ein höherer Beitragssatz wie auch ein niedrigeres Rentenniveau rauskommen. Wir reden hier von Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten, da sind Prognosen sehr schwer zu machen. Aber vielleicht spekulieren die Politiker ohnehin darauf, dass sie bis dahin nicht mehr im Amt sind.

          Der Mannheimer Rentenexperte Axel Börsch-Supan ist überzeugt, dass vor allem die 15- bis 35-Jährigen Verlierer der Reform sind. Heute sind sie zum Teil noch nicht an politischer Willensbildung beteiligt, später stehen sie einer immer größeren Gruppe älterer Menschen gegenüber. Härtere Einschnitte in die Rentensystematik werden damit immer unwahrscheinlicher. Teilen Sie seine Einschätzung?

          Zugespitzt ausgedrückt bewegen wir uns auf eine „Seniorenrepublik“ zu, und die darf eben nicht zu einer „Senilenrepublik“ werden. Es ist klar, dass in einer Demokratie immer die Gruppe den Ton angibt, die die meisten Wählerstimmen hat. Das sind zunehmend die Älteren, insofern werden Reformen gegen den Willen und die Interessen dieser älteren Bevölkerung immer schwieriger.

          Börsch-Supan rechnet auch vor, die Belastung der Einkommen für die Rente werde in einigen Jahren von 28 auf 36 bis 37 Prozent steigen. Ist das übertrieben?

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