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Interview : „Die Besatzung muß beendet werden“

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„Israel bleibt unser Feind”: Hamas-Führer Jussuf Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Hamas-Führer Scheich Jussuf über einen Waffenstillstand mit Israel, mögliche Friedensverhandlungen und warum er keine Scheu hat, in Gesprächen das Wort „Israel“ zu benutzen.

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          Hamas-Führer Scheich Jussuf über einen Waffenstillstand mit Israel, mögliche Friedensverhandlungen und warum er keine Scheu hat, in Gesprächen das Wort „Israel“ zu benutzen.

          Scheich Jussef, Sie sind nach 28 Monaten aus einem israelischen Gefängnis entlassen worden. Jetzt setzen Sie sich für einen palästinensischen Staat im Westjordanland und dem Gazastreifen ein und schlagen einen zehnjährigen Waffenstillstand vor. In der Hamas ist das umstritten.

          Es gab Mißverständnisse. Eigentlich war das ja gar nichts Neues, was ich gesagt habe. Scheich Jassin hatte eine solche Regelung schon vor Jahren vorgeschlagen. Mir geht es darum, daß beide Seiten für eine gewisse Zeit in Frieden und Sicherheit leben können. Dazu ist ein Waffenstillstand gut.

          Und ein solcher zehnjähriger Waffenstillstand könnte auch verlängert werden?

          Jeder Waffenstillstand kann verlängert werden.

          Erkennt die Hamas damit nicht indirekt das Existenzrecht Israels an?

          Die Frage ist doch, ob Israel das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat anerkennt. Mein Vorschlag ist, ebenso wie der Jassins, von einer Gegenleistung der Israelis abhängig. Wir lassen von unserem Widerstand ab, wenn die Israelis das Morden einstellen. Aber das sehe ich nicht.

          Die wichtigsten Hamas-Führer und Jassir Arafat sind tot. Erstmals seit vier Jahren ist die Mehrheit der Palästinenser gegen Anschläge auf Israelis. Hat das die Hamas zur Umkehr gezwungen?

          Die Hamas ist nach wie vor stark. Es ist Israel nicht gelungen, unseren Widerstand zu brechen. Und die erfreulichen Ergebnisse bei den Kommunalwahlen haben gezeigt, wie groß der Rückhalt der Hamas im Volk ist.

          Wenn die Hamas so stark ist, warum kandidiert sie dann nicht bei der Präsidentenwahl?

          Wir wollen die Einheit des Volkes nicht aufs Spiel setzen. Würden wir die Wahlen gewinnen, so würde das zu einer Spaltung der Autonomiebehörde führen und den Israelis in die Hände spielen. Israel oder die Vereinigten Staaten würden mit einer von der Hamas geführten Autonomiebehörde nie zusammenarbeiten. Ich fordere aber alle Palästinenser zur Teilnahme an der Wahl auf.

          Der Islamische Dschihad hat angekündigt, vielleicht an der Parlamentswahl im Sommer teilzunehmen. Wird das auch in der Hamas diskutiert?

          Diskutiert wird viel, auch bei uns. Wir schließen es jedenfalls nicht aus, uns zu einem späteren Zeitpunkt der politischen Führung anzuschließen.

          Wären Sie dann auch bereit, an Friedensverhandlungen teilzunehmen?

          Friedensverhandlungen haben den Palästinensern nie etwas gebracht. Während verhandelt wurde, ging der Siedlungsbau in Palästina weiter. Die Besatzung muß beendet werden, darum geht es.

          Sie sind der erste Hamas-Führer, der im Gespräch das Wort "Israel" benutzt und nicht vom "Erzfeind" oder dem "zionistischen Gebilde" spricht.

          Worte sind Worte und sollten nicht überbewertet werden. Auch wenn ich es beim Namen nenne - Israel bleibt unser Feind.

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