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Interview : "Die Allianz bricht nicht auseinander, wenn Saddam Hussein gestürzt wird"

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So sieht sich Scharif Ali, Anwärter auf den Thron von Bagdad Bild:

Der irakische Exiloppositionelle Scharif Ali Bin Al Hussein fordert im FAZ.NET-Gespräch ein kombiniertes Vorgehen amerikanischer Militärs und irakischer Widerstandstruppen zum Sturz des Diktators Saddam Hussein.

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          Der Irakische Nationalkongress (INC) könnte zu den Profiteuren des 11. September zählen. Die Dachorganisation der irakischen Exilopposition bekräftigt die Vereinigten Staaten in ihrem wieder erstarkten Interesse, das Regime Saddam Husseins zu stürzen. FAZ.NET sprach darüber mit dem INC-Sprecher Scharif Ali Bin Al Hussein.

          Noch während die Kämpfe in Afghanistan andauern, wird in den Vereinigten Staaten über die zweite Phase des Anti-Terrorkrieges debattiert. Sollte das Regime Saddam Husseins im Irak gestürzt werden, ist dann der INC das Pendant zur Nordallianz am Hindukusch?

          Wir sind viel entwickelter als die Nordallianz. Den INC gibt es seit 1992 und wir sind als Dachorganisation der irakischen Opposition darin verbunden, aus dem Irak einen demokratischen Verfassungsstaat zu machen. Es bedarf keiner Phase der Koalitionsbildung oder Bonner UN-Konferenzen, um einen gemeinsamen Nenner der Oppositionsgruppen zu finden. Das ist alles schon passiert: Wir sind in der Lage, für die Zeit nach Saddam Hussein eine Übergangsregierung zu stellen. So viel zum politischen Aspekt. Zum militärischen: Wir haben in allen Landesteilen genügend Leute, die auf ein Signal hin ihre Waffen gegen Saddam Hussein richten würden. Bei uns gibt es keine vergleichbaren Konflikte wie zwischen Paschtunen, Usbeken und Tadschiken in Afghanistan.

          90 Prozent der Iraker gegen Saddam Hussein?
          90 Prozent der Iraker gegen Saddam Hussein? :

          Wen genau repräsentiert denn der INC?

          Die ganze Vielfalt der irakischen Gesellschaft: Kurden, Araber und Turkmenen, Schiiten, Sunniten und Christen, islamische Gruppen genauso wie Liberale und konstitutionelle Monarchisten. Nur die Kommunistische Partei, der syrische Zweig der Baath-Partei und eine islamistische Splittergruppe, die Daawa-Partei, sind nicht bei uns organisiert.

          Vorausgesetzt es kommt zur Militärinterventionen gegen den Bagdad, wird die staatliche Einheit des Irak dies überstehen? Oder wird es dann einen kurdischen Nordstaat, einen schiitischen Südstaat und einen sunnitischen Staat im Zentrum geben?

          Ganz sicher nicht. Daran glaubt auch kein Iraker. Es handelt sich hierbei um Propaganda des Regimes in Bagdad. Die irakische Gesellschaft ist nicht entlang dieser Linien geteilt, sie ist vereint in der Opposition gegen das Baath-Regime in Bagdad. Dieses Regime behandelt die drei Gruppen unterschiedlich. In den von uns repräsentierten Gruppen hat niemand ein Interesse daran, den Irak aufzuteilen. Wir alle wollen die Souveränität und Integrität des Irak erhalten.

          Das klingt nach großer Einigkeit im INC. Oftmals heißt es aber, der einzige gemeinsame Nenner der irakischen Oppositionsgruppen sei die Tatsache, dass sie alle keine Demokratie anstrebten.

          Das Gegenteil ist der Fall. Alle INC-Gruppen organisieren sich demokratisch, ihre Führungen werden gewählt. Und alle streben Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung im Irak an. Wir sind uns darin einig, dass der Irak ein Rechtsstaat sein und friedlich mit seinen Nachbarn zusammenleben soll. Alle INC-Gruppen arbeiten eng zusammen, sei es in Gesprächen mit anderen Staaten oder mit den Medien. Die Zusammenarbeit wird auch in der Zeit nach Saddam Hussein fortbestehen.

          Aber Sie sind doch etwa in der Frage einer künftigen irakischen Verfassung unterschiedlicher Meinung: Sie selbst wollen die Wiedereinrichtung einer konstitutionellen Monarchie, andere streben eine islamische Republik an.

          Ja, das schon. Aber wir stimmen darin überein, dass das irakische Volk in einem Referendum über den Vorschlag der verfassungsgebenden Versammlung abstimmen kann. Daran glauben wir. Und nicht an den Rückgriff auf Gewalt. Davon hat der Irak zu viel gehabt.

          Wie stehen Sie denn zu den irakischen Nachbarstaaten? Die Türkei befürchtet nach dem Sturz Saddam Husseins eine aufs Neue gestellte kurdische Frage, der Iran könnte den Süden zu seinem Einflussgebiet erklären und mit dem Kuweit gibt es ungeklärte Grenzfragen.

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